AchieVE-ZEB MockUps - Bauphysik zum Anfassen
Wie lassen sich komplexe bauphysikalische Zusammenhänge verständlich erklären? Im Rahmen des EU-geförderten Forschungsprojekts AchieVE-ZEB sind dafür kompakte Tischmodelle – sogenannte Mock-ups – entstanden, die in der Weiterbildung zum Einsatz kommen. Sie machen theoretisches Wissen anschaulich und unterstützen die praxisnahe Vermittlung zentraler Passivhausthemen.
Wieso brauche ich eine luftdichte Gebäudehülle, was bedeuten Wärmebrücken für mein Gebäude und wie funktioniert eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung?
Die bauphysikalischen Grundlagen energieeffizienter Gebäude sind oft nicht auf den ersten Blick verständlich. Gerade in der Aus- und Weiterbildung stellt sich daher die Frage, wie sich diese Zusammenhänge möglichst anschaulich und praxisnah vermitteln lassen.
Einen Lösungsansatz bieten sogenannte Mock-ups, die im Rahmen des EU-Projekts AchieVE-ZEB am Passivhaus Institut entwickelt und gebaut wurden.
Die kleinen Tischmodelle veranschaulichen auf praxisnahe Weise wichtige Funktionsprinzipien energieeffizienter Gebäude. Sie ermöglichen es, einzelne Aspekte der Bauphysik gezielt darzustellen, unterschiedliche Ausführungsvarianten miteinander zu vergleichen und gemeinsam mit den Kursteilnehmenden zu untersuchen.
Luftdichtheit
An einem der Modelle lässt sich demonstrieren, wie bereits kleine Undichtheiten in der Gebäudehülle zu unkontrollierten Luftströmungen führen können. Durch gezielt erzeugte Druckunterschiede wird sichtbar, wie Luft durch Fugen und Öffnungen strömt. Neben zusätzlichen Wärmeverlusten können dadurch langfristig auch Feuchteschäden entstehen.
Das Modell verdeutlicht, warum eine durchgehende Luftdichtheitsebene und die sorgfältige Ausführung von Anschlüssen und Durchdringungen wesentliche Voraussetzungen für energieeffizientes und dauerhaft schadensfreies Bauen sind.
Der besondere Mehrwert der Mock-ups liegt in ihrem interaktiven Charakter: Die Teilnehmenden können selbst Messungen durchführen, Wärmebilder interpretieren und die Auswirkungen unterschiedlicher Konstruktionsdetails unmittelbar beobachten. Abstrakte bauphysikalische Vorgänge werden dadurch greifbar und theoretisches Wissen mit praktischen Erfahrungen verknüpft.
Wärmebrücken – Wärmeverluste sichtbar machen
Ein weiteres Modell zeigt den Einfluss unterschiedlicher Konstruktionsdetails und Dämmqualitäten auf den Wärmetransport durch die Gebäudehülle. Dazu werden einzelne Bauteilbereiche von innen erwärmt und ihre Oberflächentemperaturen mithilfe einer Wärmebildkamera untersucht. Auf den Wärmebildern werden Temperaturunterschiede unmittelbar erkennbar. So lässt sich veranschaulichen, wie Wärmebrücken entstehen, warum an diesen Stellen erhöhte Wärmeverluste auftreten und welche Auswirkungen sie auf die Oberflächentemperaturen haben können. Insbesondere bei niedrigen Außentemperaturen können Wärmebrücken auf der Rauminnenseite zu deutlich kühleren Oberflächen führen. Dies beeinträchtigt nicht nur den thermischen Komfort, sondern kann bei ausreichend hoher Luftfeuchtigkeit auch das Risiko für Schimmelbildung erhöhen. Es wird deutlich, wie wichtig eine möglichst wärmebrückenfreie Konstruktion und eine durchgehend wirksame Wärmedämmung sind.