Internationale Passivhaustagung 2026
Die Internationale Passivhaustagung hat getagt. Rund 450 Teilnehmende weltweit versammelten sich in Essen für 2 Tage geballte Sessions, 2 Tage interaktive Workshops und 1 Tag spannende Exkursionen.
Die Herausforderungen im Gebäudesektor könnten kaum größer sein: steigende Energiepreise, zunehmende Extremwetterereignisse und der dringende Bedarf, CO₂-Emissionen drastisch zu senken. Der Gebäudesektor muss energieeffizienter werden. „Mit Energieeffizienz in die Transformation“ lautete das Motto der diesjährigen internationalen Passivhaustagung.
Zwei Tage Workshops, zwei Tage Tagung, zahlreiche Exkursionen und ein gemeinsames Ziel: ein nachhaltigerer Gebäudesektor. Rund 450 internationale Teilnehmende aus zahlreichen Ländern versammelten sich zur Eröffnung der 28. Internationalen Passivhaustagung im Haus der Technik in Essen. Ausgebuchte Workshops im Vorfeld zeigten die Relevanz, sich mit der Thematik zu befassen.
Eröffnet wurde die Tagung vom Passivhaus Institut gemeinsam mit NRW.Energy4Climate sowie dem Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen. Gleichzeitig bot die Veranstaltung Anlass, gleich zwei Jubiläen zu feiern: 35 Jahre Passivhaus sowie 30 Jahre Passivhaus Institut.
Hierfür haben wir einen Zeitstrahl mit zahlreichen Passivhaus-Erinnerungen der Teilnehmenden erstellt und ausgedruckt. Vielen Dank für die rege Beteiligung an diesem gelungenen und schönen Endergebnis.
Kursanbieter, iPHA-Affiliate Council und Achieve-ZEB
Das internationale Netzwerk an Kursanbietern ermöglicht es, Passivhaus-Weiterbildungen weltweit zu absolvieren, sowohl vor Ort als auch über zahlreiche Online-Angebote. Am Mittwoch trafen sich Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Kursanbietender. Vorgestellt wurden dabei insbesondere Neuerungen seitens des Passivhaus Instituts, Updates aus dem Bereich der Komponentenzertifizierung, der Gebäudezertifizierung sowie der Passivhaus-Tools, welche für die Planung energieeffizienter Gebäude entscheidend sind. Im Zentrum standen jedoch die Weiterentwicklung der Kursformate sowie der Austausch von Erfahrungen innerhalb des internationalen Netzwerks. Seit 2020 wurden bereits jeweils über 10.000 Passivhaus-Planende und Handwerkende ausgebildet, was die wachsende Bedeutung dieser Qualifizierungsangebote unterstreicht.
Im Anschluss kamen die Affiliates der International Passive House Association (iPHA) zu ihrem Council Meeting zusammen. Hier wurden aktuelle Entwicklungen aus den einzelnen Ländern vorgestellt und Erfahrungen geteilt. Besonders hervorgehoben wurde die zunehmende Bedeutung praxisnaher Kursangebote für Handwerkende, um die Umsetzung von Passivhaus-Standards weiter zu stärken. „Bauträger und Handwerkende sind die, die das Passivhaus schlussendlich umsetzen, und für diese Zielgruppe müssen wir Kurse anbieten.“ Die iPHA rief zudem dazu auf, verstärkt Geschichten und Best-Practice-Beispiele aus den jeweiligen Ländern zu teilen, um diese einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen und die Verbreitung des Passivhaus-Gedankens weiter voranzutreiben. Ebenso wurde die Bedeutung von Komfortlüftung insbesondere bei Sanierungen hervorgehoben, da sie maßgeblich dazu beiträgt, Schimmelbildung zu vermeiden und eine gute Innenraumluftqualität sicherzustellen.
Darauf folgend fanden das AchieveZEB-Projektmeeting sowie das LOI-Supporter-Meeting statt. Innerhalb des Projektkonsortiums wurde der aktuelle Stand des EU-Projekts präsentiert, zukünftige Aktivitäten wurden abgestimmt und diskutiert. Im Rahmen des Advisory-Board-Meetings erhielten die LOI-Supporter die Möglichkeit, ihre Einschätzungen und Anregungen einzubringen. Ein bedeutender Mehrwert wurde bei neuen Mock-ups erkannt, die beispielsweise zur anschaulichen Erklärung physikalischer Effekte wie des Coandă-Effekts eingesetzt werden können. Darüber hinaus wurde die verstärkte Verbreitung und der Austausch von Lehrmaterialien zwischen Lehrkräften als wichtiger Schritt für die Transformation hervorgehoben.
Parallel dazu bot der Workshop „More than just insulation – a life-cycle perspective on buildings | with MEET“ interaktive Einblicke in die Bewertung von Herstellungs- und Betriebsenergie von Gebäuden. Anhand praxisnaher Beispiele wurden die Teilnehmenden dazu angeregt, das neue, leistungsstarke Tool des Passivhaus Instituts selbst auszuprobieren. Schritt für Schritt wurden die Funktionen erläutert und gemeinsam angewendet, wodurch ein tieferes Verständnis für die ganzheitliche Betrachtung der Energiebilanz von Gebäuden vermittelt wurde.
Eröffnungsplenum
Mit dem Eröffnungsplenum startete der erste offizielle Tagungstag. Nach der Begrüßung durch Jan Steiger vom Passivhaus Institut folgten Grußworte von Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Praxis, darunter Simone Raskob (Stadt Essen), Dr. Katharina Schubert (NRW.Energy4Climate) sowie Hermann Dannecker (Deutsches Energieberater-Netzwerk).
„Wir müssen auf Energieeffizienz setzen statt auf Öl und Gas. Damit reduzieren wir unsere Abhängigkeit von fossilen Energieimporten erheblich und stärken die regionale Wirtschaft. Eine Sanierung mit Passivhaus-Komponenten zum EnerPHit-Standard ist ein effektives Instrument, um den Energieverbrauch eines Gebäudes deutlich zu senken. Daher ist das EnerPHit-Prinzip auch sozial und ökonomisch von Vorteil“, erläuterte Jan Steiger
Es folgten inspirierende Vorträge von Paula Brandmeyer von der Deutschen Umwelthilfe, welche die Notwendigkeit, Klimaschutz, Bezahlbarkeit und Resilienz zusammenzudenken betonte sowie von Prof. Dr. Sigrid Stagl zu den Perspektiven für eine sozial-ökologische Transformation im Bereich Architektur und Raumentwicklung. Schlussendliche rundete Michael Theben, seines Zeichens Abteilungsleiter beim Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes NRW das Eröffnungsplenum durch seine erfrischenden Grußworte ab.
Passivhaus Austria goes Essen
Wir freuen uns auch über zahlreiche Teilnehmende aus Österreich.
Darunter:
Harald Konrad Malzer, Neue Heimat Tirol
Christina Ipser, Gregor Radinger und Markus Winkler von der Universität für Weiterbildung in Krems
Gerhard Kopeinig, ARCH+MORE ZT GmbH
Günther Jedliczka, OeAD student housing
Ernst Heiduk, TU Wien
Rainer Pfluger und Fabian Ochs, Universität Innsbruck
Alexandra Frankel, AAP Architekten
Vorträge
Harald Konrad Malzer zu "Affordable green living including free electricity"
Christina Ipser zu "Advancing zero-emission buildings through innovative professional training"
Markus Winkler zu "Passive Kühlmaximierung durch modellprädiktive Nachtlüftung – Projekt CoolBRICK in Wohnungsneubauten"
Fabian Ochs zu "Auf dem Weg zu energiepositiven Bezirken – Simulations- und Optimierungsmethoden und Arbeitsabläufe"
Vielen Dank für die wertvollen Inputs, den konstruktiven Austausch!
Programm
Auf das Eröffnungsplenum folgten insgesamt zwölf Vortragsreihen, in denen zahlreiche nationale und internationale Projekte präsentiert wurden. Im Mittelpunkt standen umfassende Sanierungen ebenso wie innovative Neubauten im Passivhaus-Standard.
Beispiele hierfür sind das neue Wärmeversorgungskonzept für das SOS-Kinderdorf in Kleve sowie internationale Projekte wie das Zentrum der Geisteswissenschaften der Universität Oxford oder der Wohnkomplex Sendero Verde in New York. Auch Themen wie leistbares Wohnen und sozialer Wohnungsbau wurden intensiv behandelt.
Die Vielfalt der Beiträge machte deutlich, dass energieeffizientes Bauen und Sanieren längst global angekommen ist und in unterschiedlichsten Kontexten erfolgreich umgesetzt wird.
Passivhaus Fachausstellung
Begleitend zur Tagung präsentierten zahlreiche Hersteller im Rahmen der Passivhaus-Fachausstellung ihre Produkte und Lösungen für energieeffizientes Bauen und Sanieren. Gezeigt wurden unter anderem Fenster, Wand- und Dachkonstruktionen sowie Lüftungssysteme mit Wärmerückgewinnung. Die Ausstellung bot den Teilnehmenden eine wertvolle Gelegenheit zum direkten Austausch mit der Industrie und ergänzte das Fachprogramm um praxisnahe Einblicke.
Messeparty und iPHA-Dinner
Die Jubiläumsfeier mit anschließender Messeparty am Freitag für alle Ausstellungsteilnehmenden und das exklusive iPHA Dinner am Samstag Abend boten auch dieses Jahr wieder eine exzellente Gelegenheit für interessante Gespräche und neue Kontakte.
Zertifikatsübergaben
Neben den Vorträgens fanden im Rahmen der 28. Internationalen Passivhaustagung auch mehrere Zertifikatsübergaben für neu zertifizierte Komponenten und Gebäude statt. Viele davon wurden von Prof. Dr. Wolfgang Feist höchstpersönlich überreicht. Diese Zertifizierungen unterstreichen die kontinuierliche Weiterentwicklung sowie die weltweite Verbreitung hochwertiger, energieeffizienter Passivhauslösungen.
Komponentenzertifikate gingen an BlueMartin, Pro Passivhausfenster, Systemair, and Zehnder.
Gebäude-Zertifikate:
EnerPHit Plus retrofit of a social multi-family building, the Tavros project, in Greece
EnerPHit Premium retrofit of a multi-family building in Bernried, Germany
Exkursionen
Den praxisnahen Abschluss der Tagung bildeten mehrere Exkursionen zu hoch energieeffizienten Projekten in Nordrhein-Westfalen. Besichtigt wurden unter anderem Klimaschutzsiedlungen, Kindertagesstätten im Passivhaus-Standard sowie sanierte Bestandsgebäude.
Die Teilnehmenden erhielten dabei exklusive Einblicke in Planung und Umsetzung und konnten sich direkt vor Ort von der Leistungsfähigkeit energieeffizienter Bauweisen überzeugen.