GLOBAL 2000-Wohnbaucheck

GLOBAL 2000-Wohnbaucheck - Gesamtbewertung der Bundesländer

Bereits zum zweiten Mal präsentiert die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 den „Wohnbaucheck“, bei dem anhand von neun verschiedenen Kriterien untersucht wird, wie gut die einzelnen Bundesländer bei der Umsetzung der Energiewende im Wärmebereich liegen. Für jede der drei Kategorien, „Ausstieg aus Erdöl“, „Ausstieg aus Erdgas“ oder „Steigerung der Gebäudeeffizienz“ werden Punkte vergeben.

„Dieses Jahr haben im Bundesländer-Ranking Niederösterreich, Salzburg und Vorarlberg die Nase vorn, dort sind Akzente für den Ausstieg aus fossiler Energie und die Steigerung der Gebäudeeffizienz am deutlichsten sichtbar geworden. Alle Bundesländer stehen aber jetzt vor der großen Herausforderung etwa 700.000 Ölheizungen in den nächsten Jahren zu ersetzen und der stark eingebrochenen Sanierungstätigkeit entgegenzuwirken“, sieht Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von GLOBAL 2000, noch deutlichen Handlungsbedarf.

Ausstieg aus der Ölheizung vorantreiben
Im Ranking knapp dahinter liegen Wien, Oberösterreich und Kärnten, etwas abgeschlagen folgt dann Tirol, das mit 31 Prozent den mit Abstand höchsten Anteil an Ölheizungen unter allen Bundesländern hat. Die Schlusslichter im „Wohnbaucheck 2018“ bilden diesmal das Burgenland und die Steiermark, wo die Energiewende im Wärmebereich deutlich langsamer verläuft als notwendig. Erfreulich ist für GLOBAL 2000, dass es in den letzten zehn Jahren gelungen ist, den Anteil von Ölheizungen um etwa ein Drittel zu reduzieren. Am stärksten waren dabei die Rückgänge in Vorarlberg, Salzburg und Wien. Rückläufige, aber etwas schwächere Trends gibt es in allen anderen Bundesländern. Was politische Maßnahmen betrifft, hat nun neben Niederösterreich auch Wien angekündigt, Ölheizungen im Neubau zu verbieten. In allen Bundesländern ist ein weitgehender Ausstieg bis 2030 noch in Reichweite, wenn jetzt entschiedene politische Maßnahmen gesetzt werden. Dies ist vor allem deshalb notwendig, weil die Mineralölindustrie nach wie vor den Einbau von Ölheizungen fördert und damit die Klimastrategien der Bundesländer konterkariert. Bei Heizöl sind die Preisschwankungen zudem besonders hoch. Klettern die Ölpreise wieder auf ein Niveau, wie dies vor einigen Jahren geschah, werden bis zu 1.800 Euro pro Jahr an Mehrkosten bei einem unsanierten Einfamilienhaus anfallen. „Es braucht einen sofortigen Einbaustopp von Ölheizungen in Neubau und Sanierung sowie attraktive Umstiegsangebote, damit ein rascher Ausstieg bis 2030 gelingen kann. Das bringt auch für die KonsumentInnen Vorteile, weil erneuerbare Energien im Vergleich zu Heizöl sehr preisstabil sind“, erklärt Wahlmüller.

Kaum Bewusstsein über die Klimaschädlichkeit von Erdgas
Beim Ausstieg aus Erdgas kritisiert GLOBAL 2000 noch mangelndes Bewusstsein, vielfach wird Erdgas als umweltfreundlich beworben und sogar gefördert, obwohl es auch für diesen fossilen Energieträger einen Ausstiegsplan braucht. Wien hat mit der neuen Bauordnung zumindest den Ausstieg aus der Gas-Etagenheizung geplant, weitere Schritte sind hier noch notwendig. Der Anteil an Erdgasheizungen liegt im 10-Jahresvergleich nach wie vor bei etwa einem Viertel, wobei der Anteil an Erdgasheizungen in Wien, Vorarlberg, Kärnten und Oberösterreich sinkt und im Burgenland, der Steiermark als auch in Tirol steigt. Tirol hat mit einem Anstieg des relativen Anteils von 40 Prozent in den letzten zehn Jahren die größte Steigerung aufzuweisen. „Der massive Ausbau von Erdgasheizungen in Tirol ist mit den Klimazielen nicht vereinbar und auch nicht mit der Energiestrategie des Landes Tirol selbst. Dort ist vorgesehen, dass man bis 2050 weitgehend energieautonom werden will. Derzeit verstärkt man aber die Abhängigkeit von Erdgaslieferungen, vor allem aus Russland. Auch gegen den hohen Anteil von Ölheizungen unternimmt man in Tirol viel zu wenig“, kritisiert Wahlmüller zu wenig Bereitschaft für tatkräftiges Handeln. Erdgas wird auch in der Fernwärmeproduktion noch in großem Stil eingesetzt, wobei GLOBAL 2000 kritisch sieht, dass noch kein Bundesland einen Plan entwickelt hat, wie eine fossil-freie Fernwärmeversorgung aussehen könnte. Hier ist vor allem die Stadt Wien gefordert, wo der Fernwärmeanteil am höchsten ist. In Summe werden etwa 10 Mrd. Euro pro Jahr für fossile Energieimporte ausgegeben. „Anstatt fossile Energie in großem Stil zu importieren, sollten wir auf regionale erneuerbare Energiequellen setzen, so beleben wir regionale Wirtschaftskreisläufe und das schafft Arbeitsplätze“, sagt Wahlmüller.

Großer Handlungsbedarf bei Steigerung der Gebäudeeffizienz
Bei der Steigerung der Gebäudequalität konnten sich wiederum Salzburg und Tirol von den anderen Bundesländern absetzen. Sie sind bei der Qualität der Sanierung Vorreiter und erreichen auch bei Einfamilienhäusern Werte, die der Gebäudeenergieeffizienzklasse B entsprechen, während die Gebäude in anderen Bundesländern nach der Sanierung durchwegs eine Klasse darunter liegen, abgeschlagen ist hier Niederösterreich, wo Gebäude nach der Sanierung im Durchschnitt die höchsten Energieverbräuche in ganz Österreich aufweisen. Auch im Neubau sieht GLOBAL 2000 noch in allen Bundesländern Verbesserungsbedarf. Wie stark sich hier die Bundesländer unterscheiden, zeigt sich etwa daran, dass in Salzburg und Tirol nach der Sanierung beim großvolumigen Wohnbau annähernd Werte erreicht werden, die im Burgenland derzeit im Neubau erzielt werden.

Zu betonen ist, dass im Neubau längst der Passivhaus-Standard erreicht werden kann. Dieser sollte sowohl im kleinvolumigen als auch im großvolumigen Neubau stets angestrebt werden, um den Heizwärmebedarf entsprechend gering zu halten. Vor allem in Tirol und Niederösterreich werden viele Passivhäuser gefördert und errichtet. In einigen Bundesländern wird diese Gebäudequalität innerhalb der Wohnbauförderung nicht eigens erfasst und hervorgehoben. In anderen Bundesländern sind innovative Gebäudekonzepte wie das Passivhaus und Plusenergiehäuser seltene Einzelfälle.

Oberösterreich punktet mit der höchsten Sanierungsrate unter allen Bundesländern. Bundesweit ist die thermische Sanierungsrate allerdings von etwa einem Prozent im Jahr 2010 auf aktuell 0,4 Prozent eingebrochen, dabei wäre eine Steigerung auf drei Prozent notwendig. Im Bundesländervergleich liegen Oberösterreich (0,8 Prozent), Tirol (0,6 Prozent) und Kärnten (0,5 Prozent) vor Wien und NÖ mit jeweils 0,4 Prozent, abgeschlagen sind die Steiermark (0,3 Prozent), Vorarlberg (0,3 Prozent), Salzburg (0,2 Prozent) und das Burgenland (0,1 Prozent). Die meisten Bundesländer wenden nur etwa 15 Prozent der Wohnbaufördermittel für thermische Sanierung auf. „Die niedrige Sanierungsaktivität widerspricht den Klimastrategien der Bundesländer, die eine deutliche Steigerung vorsehen. Es braucht in allen Bundesländern eine deutliche Sanierungsoffensive und mehr Geld für die thermische Sanierung. Langfristig spart das auch den BürgerInnen viel Geld. Derzeit werden Chancen, die regionale Wirtschaft zu beleben und Arbeitsplätze zu schaffen, leichtfertig vergeben“, mahnt Wahlmüller mehr Ambition im Bereich der Gebäudesanierung ein.

Mittwoch, 25 April, 2018