Ziemlich hoch hinaus

Ziemlich hoch hinaus

Bei seiner Eröffnung vor vier Jahren war der Raiffeisen-Tower in Wien weltweit das erste Hochhaus im Passivhaus-Standard. Vier Jahre später tut sich sehr viel auf diesem Gebiet: In New York beziehen im Sommer rund 350 Studenten ihr neues Passivhaus-Wohnheim mit 26 Stockwerken. Im spanischen Bilbao wird in wenigen Wochen der Rohbau des Passivhaus-Hochhauses “Bolueta” mit 88 Metern Höhe fertig gestellt. Die Architekten beider Hochhäuser sind Ende April auf der 21. Internationalen Passivhaustagung in Wien zu Gast und berichten über ihre spannenden Projekte.

“Passivhaus für alle” ist das Schwerpunktthema der Internationalen Passivhaustagung am 28. und 29. April 2017 in Wien. Seit dem Bau des ersten Passivhauses zu Beginn der neunziger Jahre in Darmstadt ist viel geschehen: Da sich Passivhäuser für alle Klimazonen eignen, entscheiden sich mittlerweile Architekten und Bauherren auf der ganzen Welt für den äußerst energieeffizienten Baustandard.

Nachhaltige und kostengünstige Lösung
„Das Passivhaus ist eine nachhaltige und kostengünstige Lösung für das ‘Nearly Zero Energy Building’. Weil das überall funktioniert, bietet sich hier eine Chance zur Umsetzung der Klimaschutzziele bei hohem Wohnkomfort und signifikanter Kostensenkung“, erläutert der Leiter des Passivhaus Instituts, Prof. Dr. Wolfgang Feist.

Cornell_Tech_NY_1_(c)_Lester_AliZum ersten Mal Hochhäuser
Entsprechend international sind auch die Besucher auf der Passivhaustagung, die in diesem Jahr im Messe Wien Congress Center stattfindet. Das Passivhaus Institut mit seinen beiden Standorten in Darmstadt und Innsbruck ist Ausrichter der jährlich stattfindenden Tagung sowie der angeschlossenen Fachausstellung. Zum ersten Mal befasst sich eine der insgesamt 16 Arbeitsgruppen explizit mit Hochhäusern im Passivhaus-Standard.

New York bietet Energieeffizienz für Studenten
Passivhaus-Beraterin Lois Arena und Architektin Deborah Moelis aus New York sowie Architekt Germán Velázquez aus Spanien halten beim Hochhaus-Workshop am Tagungssamstag Vorträge zu ihren jeweiligen Bauprojekten. In das New Yorker Hochhaus Cornell Tech mit seinen 26 Stockwerken sollen im Sommer dieses Jahres die Studenten einziehen. Sie dürfen sich auf eine energieeffiziente und bezahlbare Unterkunft freuen, und das mit Blick auf die Skyline von Manhattan.Bolueta_Bilbao_(c)_G_Velázquez_-_VArquitectos

Passivhaus-Wohnungen in Bilbao
Das Hochhaus „Bolueta“ in Bilbao ist ebenfalls als Wohngebäude ausgerichtet: Die 108 Wohnungen des Hochhauses werden verkauft, die 63 Wohnungen im direkt angeschlossenen zehnstöckigen Nebengebäude werden im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus vermietet. Im Endausbau umfasst das Passiv-Hochhaus 361 Wohnungen. Auch die Technische Universität Wien berichtet über ihr Hochhaus am Getreidemarkt, das sie im Passivhaus Plus-Standard sanierte. „Hochhäuser sind in hochverdichteten Regionen eine wichtige Lösung, um Wohnraum zu schaffen. Mit den hier realisierten Beispielen wird belegt, dass der Passivhaus-Standard für diese Bauaufgabe eine sehr attraktive Option darstellt“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Feist.

Weltweites Interesse
Weitere Arbeitsgruppen während der Tagung befassen sich ebenfalls mit aktuellen Themen des energieeffizienten Bauens. Es geht dabei um Passivhäuser und erneuerbare Energie, um Sanierungen im Passivhaus-Standard sowie Passivhäuser in verschiedenen Klimazonen. So berichten Referenten aus China, Mexiko und Nordeuropa über ihre Projekte. Insgesamt haben sich an beiden Tagen über 100 Referenten aus über 50 Ländern angekündigt.

Weltweit erste Passivhaus-Klinik
Damals, beim Bau des Pionierprojektes 1991 in Darmstadt, stand die erfolgreiche Umsetzung des innovativen und energieeffizienten Baustandards im Mittelpunkt. 26 Jahre später wird deutlich, dass auch die Gestaltung in den Fokus gerückt ist: Heute gibt es 66.000 Passivhäuser in vielen variantenreichen und ansprechenden Designs und für ganz unterschiedliche Nutzungen: Neben Wohngebäuden für Familien, Studenten oder Senioren gibt es Kindergärten, Schulen und Bürogebäude als Passivhäuser. Ebenso Turnhallen und Schwimmbäder. In Frankfurt am Main wird gerade die weltweit erste Passivhaus-Klinik gebaut. Auch in der polnischen Kleinstadt Slomniki ist eine Klinik als Passivhaus in Planung, nachdem schon mehrere öffentliche Bauten dort diesem Standard entsprechen.

Fachausstellung für Passivhaus-Komponenten
Passend zur Internationalen Passivhaustagung sind auf der gleichzeitig stattfindenden zweitägigen Fachausstellung führende Anbieter von Passivhaus-Komponenten vertreten. Sie präsentieren Komponenten für Neubauten und Sanierungen, darunter Fenster und Türen, Wärmedämmung sowie Lüftungssysteme mit Wärmerückgewinnung.

Forum für Bauherren
Die Fachausstellung ist auch für private Bauherren gedacht. Sie können sich zudem beim kostenlosen Bauherren-Forum am Tagungssamstag über energieeffizientes Bauen informieren. Als Gesprächspartner stehen dafür neben den Passivhaus-Experten auch private Passivhaus-Bewohner bereit.

PHPP auch für Sanierungen
Im Vorfeld der Tagung finden von Montag bis Donnerstag insgesamt neun Workshops statt, darunter der Kompaktkurs „Passivhaus – ein Beitrag zum Klimaschutz“. Für Studenten und Vertreter von Kommunen ist die Teilnahme an diesem Workshop kostenlos. Weitere Themen sind energieeffiziente Warmwassersysteme, Kühlung und Entfeuchtung sowie Inbetriebnahme und Betriebsoptimierung. Zudem werden Kurse zu den Planungswerkzeugen designPH und PHPP angeboten, wie auch PHPP für Sanierungen.

Vorreiter Wien und Niederösterreich
Mit Wien hat das Passivhaus Institut eine Stadt ausgewählt, die mit rund einer halben Million Quadratmeter so viel dokumentierte Fläche an Passivhaus-Objekten aufweist wie keine andere Region weltweit. Die österreichische Hauptstadt setzt seit Jahren auf den energieeffizienten Baustandard, bei Neubauten und bei Sanierungen. Im angrenzenden Bundesland Niederösterreich werden öffentliche Bauten seit 2008 als Passivhäuser errichtet. Das dortige Justizzentrum umfasst auch ein Gefängnis im Passivhaus-Standard.

Selber schauen bei acht Exkursionen
„Zweiunddreißig dieser beeindruckenden Bauprojekte können die Teilnehmer der Internationalen Passivhaustagung besichtigen, so viele wie noch nie bei dieser Tagung“, freut sich Günter Lang, Leiter der Passivhaus Austria, über das breite Angebot und das große Interesse der internationalen Kongressgäste. Insgesamt acht Exkursionen finden im Anschluss an die Tagung am Sonntag, 30. April 2017, per Bus, U-Bahn und Rad statt. Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch. Alle deutschen Vorträge werden simultan ins Englische übersetzt. Mitglieder von IG Passivhaus Deutschland, Passivhaus Austria und iPHA erhalten zehn Prozent Ermäßigung auf den Tagungsbeitrag. Weitere Informationen: www.passivhaustagung.org

Titelfoto: Cornell Tech in New York, derzeit höchtes Passivhaus; Fotocredits: Mustafa Onder

 

Donnerstag, 16 März, 2017