Vancouver und Wien bauen auf Passivhaus

Greenest Cities Gipfeltreffen in Vancouver V.l.n.r.: Sean Pander, City of Vancouver; Nicole Mothes, Kanadische Botschaft; Gregor Robertson, Bgmst. von Vancouver; Maria Vassilakou, Vize-Bgmst. von Wien; Günter Lang, Passivhaus Austria; Valerie Durant und Mukhtar Latif, City of Vancouver; Bildquelle: Passivhaus Austria

Beste Stimmung und Zuversicht herrschten beim Treffen von Wiens Vize-Bgmst. Maria Vassilakou mit Vancouvers Bgmst. Gregor Robertson Anfang Juni in Vancouver als sich die grünsten Städte über grüne Stadtplanung, sowie die Umsetzung und den Nutzen des Passivhaus-Standards austauschten. Mit dem Exportschlager Passivhaus stößt Wien auf sehr großes Interesse in Vancouver, wo die Stadtverwaltung ihrem eigenen Slogan „Grünste Stadt der Welt“ nun auch durch die gezielte Einführung des Passivhaus-Standards gerecht werden will.

Vancouver und Wien rangieren regelmäßig auf den Topplätzen der lebenswertesten und grünsten Städte weltweit. Nun will Bürgermeister Gregor Robertson und sein Team, den Energieverbrauch im Gebäudesektor um 20 Prozent gegenüber 2007 im Rahmen des „City of Vancouver – Greenest City 2020 Action Plan“ drastisch senken, obwohl Strom aus Wasserkraft und Gas in Britisch Columbia noch sehr günstig sind. Nach den Vorgesprächen von Günter Lang, Leiter der Passivhaus Austria, mit der Stadtverwaltung und Vorträgen an der Simon Fraser University im März 2015 kam es nun am Rande der Canadian Green Building Conference zum Gipfeltreffen von Wiens Vize-Bürgermeisterin Maria Vassilakou mit Vancouvers Stadtchef Gregor Robertson.

Im Beisein der Ressortleiter der Stadt Vancouver wurde über die Erfahrungen und Potentiale der wichtigsten urbanen Energieform – der Energieeffizienz – bei der Stadtplanung und Wohnbaupolitik gesprochen. Nachdem Vancouver, wie auch viele andere amerikanische Städte, in der Vergangenheit auf diverse unkonkrete Levels gesetzt haben, ohne dass sich dadurch der Energieverbrauch senkte, hat man nun die Vorzüge des auf rein wissenschaftlichen bauphysikalischen Grundlagen basierten Passivhaus-Standards erkannt. Vancouver hat die Absicht, diesen künftig sowohl im sozialen Wohnbau, wie auch bei öffentlichen Bauten breit umzusetzen.


Pionier zeigte schon vor Jahrzehnten Lösungen
Dabei hatte der Kanadier Harold Orr mit seinem Team bereits Ende der 70er Jahre mit dem "Saskatchewan Conservation House" in der Stadt Regina ein Pionierprojekt umgesetzt. Mit einer exzellenten Wärmedämmung, einer luftdichten Gebäudehülle und mit einer der weltweit ersten Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung verwendete Orr viele der heute selbstverständlichen Bestandteile energieeffizienten Bauens. „Dank der Passivhaus-adäquaten Gebäudehülle funktioniert unser Haus seit 40 Jahren bestens und sicher auch die nächsten 40 Jahre“, betonte Orr erst vor kurzem. Die billigen Energiepreise verhinderten damals aber eine Verbreitung.

Nun wollen Vancouver und andere kanadische Regionen nicht länger zögern und dem extensiven Energieverbrauch mit dem Passivhaus-Standard ein Ende setzen. „Dies ist auch dringend notwendig, um Vancouver nachhaltig zukunftssicher zu gestalten, den Energieverbrauch und klimaschädigende Gase zu reduzieren sowie den Komfort und Lebensqualität zu steigern“, betonte Robertson in seiner Ansprache.


Kanada bereit für Österreichs Passivhaus-Exportschlager
Österreich und Wien genießt im Passivhaus-Segment einen absoluten Weltruf, und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass „Passivhaus-Botschafter“ Günter Lang nun innerhalb von einem Jahr bereits zum vierten Mal durch Nordamerika tourte, um vor allem mit den vielen Best-Practise Beispielen von großvolumigen Passivhaus-Objekten aus Österreich die Potentiale in Amerika zu verdeutlichen. „Für unsere österreichischen Passivhaus-Komponenten-Hersteller wie auch Dienstleister machen sich hier nun mit atemberaubender Geschwindigkeit riesige Marktchancen auf“, plädiert Lang die Gelegenheit zu nutzen. „Als Passivhaus Austria begleiten und unterstützen wir dabei auch unsere Mitglieder beim Markteintritt“. Dabei geht es nicht nur um Exporterleichterungen für zertifizierte Passivhaus-Komponenten, sondern auch um Realisierungschancen bei mehreren großvolumigen Wohn- und Schulbauten, sowie einem Studentenheim für gleich 900 Studenten. Dass solche internationalen Vorarbeiten Früchte tragen, kann man nun auch in China sehen, wo Lang zwei Jahre intensive Passivhaus-Marktaufbereitung betrieben hat. Jetzt wurde unter der Leitung von Schöberl & Pöll ein erstes Großprojekt als zertifiziertes Passivhaus eröffnet und ein weiteres in Angriff genommen.

Nicole Mothes von der Kanadischen Botschaft freut sich über die gelungene informelle Städtepartnerschaft. Bereits 2008 initiierte sie den ersten großen Auftritt österreichischer Passivhaus-Pioniere mit dem Österreichhaus bei den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver und Whistler. Nach der Etablierung des Passivhaus-Einfamilienhauses ist die Zeit nun reif für die großvolumige Projektumsetzung von Passivhäusern in ganz Kanada und Nordamerika.

 

Titelbild: Greenest Cities Gipfeltreffen in Vancouver V.l.n.r.: Sean Pander, City of Vancouver; Nicole Mothes, Kanadische Botschaft; Gregor Robertson, Bgmst. von Vancouver; Maria Vassilakou, Vize-Bgmst. von Wien; Günter Lang, Passivhaus Austria; Valerie Durant und Mukhtar Latif, City of Vancouver; Bildquelle: Passivhaus Austria
 

Dienstag, 9 Juni, 2015