Umweltorganisationen fordern starke Klimaziele

Die Umweltschutzorganisationen GLOBAL 2000, WWF und Greenpeace präsentierten letzte Woche gemeinsam ein nachhaltiges Energieszenario für Österreich und fordern die Bundesregierung auf, ambitionierte Ziele für Österreichs Energie- und Klimapolitik zu beschließen. Das Passivhaus und tiefgreifende Sanierungen nehmen hier einen wesentlichen Stellenwert ein.

Laut dem vorgestellten Szenario muss Österreich bis 2050 vollständig auf Erneuerbare Energien umsteigen, seinen Endenergieverbrauch um 50 Prozent zu halbieren und die Treibhausgasemissionen um 90 Prozent zu verringern. Nur so könne Österreich einen wirksamen Beitrag zur Erreichung des Zwei-Grad-Ziels leisten und Investitionssicherheit für die Wirtschaft gewährleisten. Die Studie wurde von Andreas Veigl im Auftrag von Greenpeace, WWF und GLOBAL 2000 erstellt.

„Österreich zahlt mehr als elf Milliarden Euro netto für die Versorgung mit klimaschädlichen fossilen Energien wie Kohle, Öl und Gas“, kritisieren die drei Organisationen. Das am 26. Juni von WWF, GLOBAL 2000 und Greenpeace präsentierte Konzept „Energiezukunft Österreich“ enthält ein umfassendes Szenario, das Ziele und Handlungsbedarf für Wirtschaft, den Energiesektor, den Verkehr, die Landwirtschaft und für private Haushalte und KonsumentInnen aufzeigt. Mit einem gut durchdachten Energie- und Klimapaket können zehntausende Arbeitsplätze geschaffen werden, rechnen die Organisationen vor. Voraussetzung dafür sind die politischen Rahmenbedingungen der Bundesregierung und des Parlaments, die nicht nur für die kommende UN-Klimakonferenz in Paris, sondern auch für die Jahrzehnte danach gelten müssen. „Angesichts der negativen Folgen des Klimawandels, der die Welt und auch Österreich noch viele Jahrzehnte beschäftigen wird, braucht es langfristige Ziele, die über die Legislaturperioden und Parteigrenzen hinaus gehen“, so die Vertreterinnen von Greenpeace, GLOBAL 2000 und WWF.

Passivhaus leistet wesentlichen Anteil
Für private Haushalte und dem Dienstleistungssektor sieht der Plan vor, dass der Gebäudebestand bis 2050 umfassend saniert wird und Neubauten nur noch im Passivhaus-Standard errichtet werden. Die Autoren erwarten sich, dass dadurch der Energieverbrauch für Heizungen bis 2030 um ca. 30% und bis 2050 um über 50% sinkt. Günter Lang, Leiter der Passivhaus Austria, zeigt sich erfreut über die Studie der Umweltorganisationen. Er betrachtet die Einsparungsziele im Gebäudesektor als realistisches Szenario. „Bei einem noch rascheren Wechsel auf den Passivhaus-Standard und Sanierungen auf EnerPHit-Niveau wären sogar noch größere Einsparungen möglich“, plädiert Lang an eine engagierte Gebäudepolitik.

Umweltorganisationen sehen weitere Vorteile im Klimaschutz
„Der derzeitige verschwenderische Energieverbrauch kann mit heimischen erneuerbaren Energien nicht abgedeckt werden. Österreich braucht eine Investitionsinitiative in Energieeffizienz und Energiespartechnologien. Der Endenergieverbrauch muss bis 2050 halbiert sein um gleichzeitig Österreichs wertvolle Naturschätze zu sichern“, so WWF-Geschäftsführerin Andrea Johanides.

„Wir brauchen jetzt im Vorfeld der Klimakonferenz von Paris ein deutliches Signal der österreichischen Bundesregierung, dass die Zukunft den erneuerbaren Energien gehört. Österreich muss den vollständigen Umstieg auf Erneuerbare Energie bis 2050 beschließen und mit einem gut durchdachten Klimaschutzpaket zehntausende Arbeitsplätze schaffen“, so Leonore Gewessler, GLOBAL 2000 Geschäftsführerin.

Hanna Simons, Direktorin für Umweltpolitik bei Greenpeace: „Um den Klimawandel erfolgreich zu bekämpfen, braucht es neben einem weltweiten Klimaschutzabkommen starke nationale Klimaschutzstrategien. Der faire Anteil Österreichs beträgt minus 50 Prozent Treibhausgase bis 2030 und minus 90 Prozent bis 2050. Österreich muss dies mittels einer integrierten Energie- und Klimastrategie umsetzen.“

Download der Studie "Energiezukunft Österreich"

 

Titelfoto: Fordern jetzt starke Klimaziele von Österreichs Politikern: v.l.n.r. Hanna Simons, Direktorin Umweltpolitik Greenpeace, Leonore Gewessler, Geschäftsführerin GLOBAL 2000 und Andrea Johanides, WWF Geschäftsführerin; Fotocredits: Greenpeace/Georg Mayer

Montag, 29 Juni, 2015