Sofortmaßnahmen für den Neubau gefordert

Anstieg des Primärenergiebedarfs aller Neubauten zwischen 2016 und 2020

Nach dem Abschluss des UN-Klimaschutzabkommens zur Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius, müssen die Bundes- und Landesregierungen und die Bauwirtschaft rasch Maßnahmen ergreifen, um im Gebäudebereich die Energie-Effizienzmaßnahmen deutlich zu steigern. Die Bauordnung ist dazu für alle Neubauten ab 1.1.2017 an den klimaaktiv Gold Standard bzw. Passivhaus-Standard zu binden.

Passivhaus-Standards für Zukunft entscheidend
Noch im Jänner will die Regierung eine neue Energiestrategie unter Berücksichtigung der unterzeichneten Klimaschutzziele vorlegen. Zu schwache Ziele hätten jedoch fatale langfristige Folgen mit Verfehlung der internationalen Vereinbarungen. Alleine der zusätzliche Primärenergiebedarf durch Neubauten zwischen 2016-2020 würde gemäß dem Nationalen Plan 5.483 GWh betragen. Dies würde 43% der gesamten österreichischen Wärmeproduktion aller thermischen Kraftwerke und Fernwärme entsprechen. Demgegenüber könnte dieser Anstieg des Energiebedarfs durch Neubauten mit dem bewährten Passivhaus-Standard umgehend um 3.570 GWh reduziert und die Energiekosten um 200 Millionen jährlich gesenkt werden. Damit wäre für rund 600.000 künftige Bewohner nachhaltig leistbares Wohnen dauerhaft gesichert. Mehrere Studien machen deutlich, dass sehr niedrige Energiekennwerte wie der Passivhaus-Standard bereits heute das Kostenoptimum darstellen. Zudem hätte dies auch positive Auswirkungen auf Österreichs negative Außenhandelsbilanz, die allein durch die fossilen Energieimporte bestehen.

Österreichweit sind in den kommenden Jahren jährlich rund 60.000 Wohneinheiten sowie Büro-, Gewerbe- und öffentliche Bauten mit einer gesamten Bruttogeschoßfläche von rund 6,38 Millionen Quadratmeter pro Jahr geplant. Gemäß dem „Österreichischen Nationalen Plan“ sind die Mindestanforderungen an die Gesamtenergieeffizienz von Neubauten seit 1.1.2016 mit einem Primärenergiebedarf von max. 180 kWh/m²a begrenzt und entsprechen damit lediglich der Energieeffizienzklasse C des Energieausweises. Selbst ab 1.1.2020 wäre gemäß Nationalem Plan nur ein Primärenergiebedarf von max. 160 kWh/m²a erforderlich, was der Energieeffizienzklasse B entsprechen würde und damit meilenweit von einem „Nearly Zero Energy Building“ entfernt, wie es europaweit 2020 Mindeststandard sein soll. Ein Gebäude der Energieeffizienzklasse A++, wie das Passivhaus, weist hingegen nur einen Primärenergiebedarf von max. 60 kWh/m²a auf (OIB Richtlinie 6, OIB-330.6-009/15). Dies ist Grundvoraussetzung, um den Umstieg auf 100 % erneuerbare Energie bis 2050 zu erreichen.

In Österreich hat sich seit 20 Jahren der Passivhaus-Standard bewährt, die Bauwirtschaft hat das beste Passivhaus-Know-how und ist dafür weltweit gefragt und erfahrene Bauträger, wie zum Beispiel die Neue Heimat Tirol, setzen voll auf das Passivhaus. Trotzdem hat es die Politik bis jetzt verabsäumt, diese Potenziale in Österreich zu nutzen. Ganz im Gegenteil sind zurzeit verschiedene Akteure mit falschen Argumenten bemüht die energetischen Standards in Österreich wieder abzuschwächen. Andere europäische Regionen zeigen hingegen, wie es gehen kann: so gilt seit 1.1.2015 in der ganzen Region Brüssel, sowie seit 1.1.2016 in der Region Dún Laoghaire/Irland, das Passivhaus als Mindeststandard nach Bauordnung – vollkommen unabhängig welche Gebäudenutzung. Aus der Sicht des ÖGNB-Vorsitzenden Robert Lechner können erneuerbare Energieträger unter Wahrung von Naturschutzaspekten nur dann zur CO2-Neutralität oder gar positiven Energiebilanzen beitragen, wenn Gebäudehülle und sämtliche Verbraucher deutlich optimiert werden.

Passivhaus richtig berechnet ist Top
Die Passivhaus Austria fordert Sofortmaßnahmen, um die Zielerreichung 2050 mit einer CO2 neutralen Klimabilanz für den gesamten Gebäudesektor zu erreichen: „Heute neu gebaute oder sanierte Gebäude werden frühestens 2056 wieder energetisch verbessert, daher ist ab SOFORT der energetisch BESTE Standard erforderlich. Die Bauordnung ist für Neubauten ab 1.1.2017 an den Passivhaus-Standard zu binden“, betont Günter Lang, Leiter der Passivhaus Austria. Und öffentliche Bauten, sowie die Vergabe öffentlicher Fördermittel sollten mit sofortiger Wirkung an den besten Standard gebunden werden.

Besonders wichtig ist aber auch richtig zu bemessen, sodass das berechnete Ergebnis auch mit dem tatsächlichen Verbrauch bestmöglich übereinstimmt. Dazu war und ist der Energieausweis nach der OIB Richtlinie 6 aber völlig ungeeignet, denn er weist viel zu günstige Werte in der Berechnung aus. Die Passivhaus Austria fordert daher zumindest das, auf rein wissenschaftlich physikalischen Grundlagen beruhende, exakt rechnende Verfahren PHPP Passivhaus-Projektierungs-Paket offiziell als alternativen Berechnungsnachweis zum Energieausweis anzuerkennen. Bei Erhalt öffentlicher Fördergelder sollte dieser Nachweis Voraussetzung sein. „Richtig rechnen ist die günstigste Maßnahme, um den Energieverbrauch drastisch zu senken“, setzt Lang nach.

klimaaktiv Standard Gold als Basis für Klimaziele Österreichs
Dies zeigt, dass der überregionale österreichweite klimaaktiv Gold Standard, der energetisch den Passivhaus-Standard voraussetzt, die Basis für die Erreichung der Klimaziele ist. Bei Einsatz erneuerbarer Energieträger und nachwachsender Rohstoffe entsteht eine enkeltaugliche Architektur. Eine Qualitätssicherung bei Planung und Ausführung ist selbstverständlich. Dass solche Gebäude auch einen Beitrag zur Baukultur leisten, beweist der „Staatspreis Architektur und Nachhaltigkeit“, unterstreicht Helmut Krapmeier, Energieinstitut Vorarlberg. Gezielte Investitionen in Energieeffizienz und Erneuerbare sind die zuverlässigsten Garanten, die Abhängigkeit  von Energieimporten zu beenden. Österreich hinkt europaweit hinterher – es ist an der Zeit, unsere Klimazukunft sinnvoll und nachhaltig zu gestalten.

Um für den Gebäudesektor die Rahmenbedingungen für <1,5°C Klimaerwärmung gemäß dem Abkommen von Paris zu schaffen, hat die Passivhaus Austria einen umfassenden Maßnahmenkatalog „Road to ZERO by 2050“ ausgearbeitet. Am 17. Dezember 2015 gab es dazu als Auftakt eine Pressekonferenz gemeinsam mit Ökologie-Institut, ÖGNB, Energieinstitut Vorarlberg, Umweltdachverband und GLOBAL 2000. Im dritten Teil werden dazu die Maßnahmen im Gebäudebestand in den kommenden Wochen im Detail erläutern.

Grafik: Anstieg des Primärenergiebedarfs aller Neubauten kumuliert zwischen 2016 und 2020, Quelle: Passivhaus Austria

Montag, 11 Januar, 2016