Pionierprojekt zum Passivhaus Plus befördert

Das weltweit erste Passivhaus steigert seine ohnehin hohe Energieeffizienz und setzt nun zusätzlich auf erneuerbare Energie. Vor einem  Jahr installierten die Hausherren am 1991 erbauten Reihenhaus in Darmstadt eine Photovoltaikanlage. Seitdem produziert das Passivhaus-Pionierprojekt seinen Strom selbst und erfüllt die Kriterien für das Passivhaus Plus. Dafür gab es gerade das offizielle Zertifikat.

„Passivhäuser sind ausgezeichnet dafür vorbereitet, erneuerbare Energie zu verwenden. Mit dem sehr niedrigen Heizenergiebedarf ist es sogar möglich, aus der Sonne so viel Energie direkt am Haus zu gewinnen, wie im Haus halt das Jahr über verbraucht wird“, erläutert Dr. Wolfgang Feist. Er nahm das Zertifikat für das Passivhaus Plus zusammen mit seiner Frau Witte Ebel entgegen.

Zum Jubiläum eine Photovoltaikanlage
Vor 25 Jahren errichtete der Bauphysiker Dr. Wolfgang Feist das erste Passivhaus überhaupt und etablierte damit den energieeffizienten Passivhaus-Baustandard. Bis heute wohnt der Gründer und Leiter des Passivhaus Instituts mit seiner Familie in diesem Reihenhauskomplex im Darmstädter Stadtteil Kranichstein. Im Jubiläumsjahr installierte Familie Feist eine 26 Quadratmeter große Photovoltaikanlage an ihrem Reihenendhaus, um die Sonne als Energielieferanten zu nutzen.

Effizienz plus erneuerbare Energie
Mit dem Passivhaus Plus trägt das Passivhaus zum zweiten Schritt der Energiewende bei: Zusätzlich zur Energieeffizienz wird nun direkt am Gebäude regenerative Energie gewonnen. Wichtig ist dabei, den Energiebedarf eines Gebäudes und die Energiegewinnung separat zu betrachten und zu optimieren.

Gute Basis für Passivhaus Plus
Bei einem Passivhaus Plus liegt die Obergrenze für den Gesamtbedarf an erneuerbarer Primärenergie bei 45 kWh/(m²a). Zugleich müssen bezogen auf die überbaute Fläche mindestens 60 kWh/(m²a) an erneuerbarer Energie erzeugt werden. Familie Feist stattete ihr Passivhaus mit seinen 156 Quadratmetern Wohnfläche von Beginn an mit  äußerst effizienten Geräten aus. So ist der Stromverbrauch auch mit Betrieb der Lüftungsanlage gering.

Wärmepumpe mit weniger Energieeinsatz
Das gilt auch für die in diesem Herbst zu Testzwecken neu installierte Luft-Luft-Wärmepumpe, die sowohl zum Heizen sowie zum Lüften des Darmstädter Passivhauses genutzt wird. Diese strombetriebene Wärmepumpe soll mit ungefähr 30 Prozent des Energieeinsatzes auskommen, der bisher an Erdgas für die Brennwertheizung genutzt wurde.

Stromüberschuss ins Netz
Im Sommer wird der von der Photovoltaikanlage am Reihenhaus in Darmstadt-Kranichstein produzierte Stromüberschuss ins öffentliche Netz eingespeist. Theoretisch würde die insgesamt produzierte Menge für die Versorgung des gesamten Haushalts in einem Jahr ausreichen, könnten die Überschüsse im Sommer für den Winter gespeichert werden.

Speichern im Netzverbund sinnvoll
„Für einen einzelnen Haushalt ist eine solche Jahresspeicherung keine sinnvolle Option, im Netzverbund jedoch wird die „Lücke“ viel geringer und die Speicherung sehr viel kostengünstiger. So wird das künftig gemacht werden müssen“, erklärt Dr. Wolfgang Feist vom Passivhaus Institut in Darmstadt bei der Übergabe des Zertifikats.

Titelbild: Für das weltweit erste Passivhaus in Darmstadt-Kranichstein gab es gerade das offizielle Zertifikat als Passivaus Plus. Das Zertifikat nahm Dr. Wolfgang Feist mit seiner Frau Witta Ebel entgegen (links). Fotoscredits: Passivhaus Institut

Donnerstag, 1 Dezember, 2016