PHPP zur Umsetzung der Energiewende stark erweitert

PHPP

Das für die Planung von energieeffizienten Gebäuden etablierte PHPP liegt in neuer Version vor. Diese ermöglicht nicht nur eine verlässliche Berechnung des Energiebedarfs nach weltweit gültigen Kriterien – der Bedarf wird zugleich im Verhältnis zur Erzeugung von Energie betrachtet. Zu den weiteren Neuerungen zählen zusätzliche Eingabeoptionen etwa für die Duschwasser-Wärmerückgewinnung oder für Wirtschaftlichkeitsvergleiche. Automatisierte Kontrollen und Plausibilitätsabfragen vereinfachen die Bedienung. Die deutsche Ausgabe des PHPP 9 wird auf der Internationalen Passivhaustagung 2015 in Leipzig präsentiert.

"Mit diesem Upgrade ist das Energiebilanzierungstool noch praxistauglicher – es ermöglicht dem Planer, vielfältige Entwurfs- oder Sanierungssituationen nachvollziehbar zu vergleichen", sagt Jan Steiger, der die ständige Weiterentwicklung des PHPP am Passivhaus Institut in Darmstadt leitet. Verschiedene Optionen einer bestimmten Maßnahme können in einer PHPP-Datei eingegeben und hinsichtlich ihrer Auswirkungen geprüft werden. "Damit ist es auch möglich, die Effizienzverbesserung durch einzelne Sanierungsschritte abzubilden und selbst langfristig angelegte Projekte übersichtlich zu bewerten", sagt Steiger.

Auch die Energiewende ist im neuen Passivhaus-Projektierungspaket (PHPP) berücksichtigt. So basiert die Ermittlung des gesamten Gebäudeenergiebedarfs auf einem System der "Erneuerbaren Primärenergie" – da alle Gebäude für die Zukunft gebaut werden, und somit nicht auf die Rahmenbedingungen der Gegenwart hin optimiert werden sollten, wird im PHPP 9 anstelle von Primärenergiefaktoren für fossile Brennstoffe die regionale Verfügbarkeit von erneuerbarer Energie betrachtet. Den einzelnen Energieanwendungen werden PER-Faktoren zugewiesen (PER = Primary Energy Renewable). Dieses Prinzip gilt auch für die Zertifizierung von Passivhäusern – wobei hier für eine Übergangszeit das alte System noch als alternativer Zertifizierungsweg bestehen bleibt.

Mit der Einführung des PHPP 9 beginnt außerdem die Zertifizierung nach neuen Passivhaus-Klassen – neben dem bewährten "Passivhaus Classic" gibt es künftig das "Passivhaus Plus" und das "Passivhaus Premium". Nach klar definierten Kriterien wird hier die Energieerzeugung, etwa durch Photovoltaik, mit betrachtet. Wenn ein Grundstück dazu nicht geeignet ist, können auch Investitionen in externe Neuanlagen zur Erzeugung regenerativer Energie angerechnet werden. "Das PHPP ermöglicht damit schon heute, Gebäude von morgen sicher zu planen", sagt Steiger. Die Grundlage bleibt dabei ein Heizwärme- und Kühlenergiebedarf von maximal 15 kWh/(m²a) – dieser Wert darf in keiner der drei Passivhaus-Klassen überschritten werden.

Eine wichtige Ergänzung zum PHPP ist das 3D-Tool designPH. Eine mit diesem SketchUp-Plugin erstellte Vorplanung lässt sich mit wenigen Klicks auch in das PHPP 9 exportieren. Wie eine Kombination der beiden Programme die Planungspraxis bereichert, wird in Leipzig auf der Internationalen Passivhaustagung in mehrfacher Weise veranschaulicht. Neben den Vorträgen auf der vom 17. bis zum 18. April laufenden Konferenz selbst gibt es bereits am 16. April einen Workshop, der sich speziell mit den Neuerungen in PHPP 9 und designPH beschäftigt. Auf der im Congress Center an der Leipziger Messe parallel zur Passivhaustagung laufenden Fach-Ausstellung wird es ebenfalls Demonstrationen der beiden Planungstools geben.

Das vom Passivhaus Institut entwickelte PHPP bietet Architekten, Planern und Energieberatern seit vielen Jahren die Möglichkeit, einen Gebäudeentwurf auf der Grundlage klarer Zahlen zu optimieren. Das auf Excel basierende Berechnungstool mit ausführlichem Handbuch dient dabei nicht nur als zuverlässige Planungshilfe, sondern zugleich als Nachweis für die Einhaltung der international gültigen Kriterien des Passivhaus-Standards sowie des EnerPHit-Standards für Sanierungen – und in Deutschland auch für die KfW-Förderung eines Passivhauses als KfW-Effizienzhaus 40 oder 55. Auch für die Umsetzung des in der Europäischen Gebäuderichtlinie ab 2021 geforderten "Nearly Zero-Energy Building" (NZEB) bietet das PHPP ein bewährtes und vollständiges Berechnungsverfahren.

Weiterbildungsmöglichkeit nützen
Wer sich intensiv mit dem neuen PHPP und designPH beschäftigen möchte, kann bereits im Juni die Gelegenheit eines eintägigen Seminars nützen. Dieses findet am 9. Juni in Wien statt.

Donnerstag, 9 April, 2015