Passivhaus im Gewerbebau

Supermarkt Pinswang; Fotocredits Simon Rainer

Gewerbebauten allgemein und speziell Lebensmittelmärkte sind insgesamt sehr energieintensive Gebäude. Der Tiroler Supermarktbetreiber MPREIS hat daher bereits 3 seiner Filialen im Passivhaus-Standard umgesetzt. Bilanz des Unternehmens zur Errichtung von Passivhaus-Supermärkten: Die ökologische Investition rechnet sich auch ökonomisch.

Im Einzelhandel ist die Lebensmittelkühlung in etwa für die Hälfte des gesamten Stromverbrauches verantwortlich. Weitere besonders relevante Verbraucher sind die Beleuchtung und, falls vorhanden, eine im Markt integrierte Bäckerei. Der zentrale Ansatzpunkt für die Reduzierung des hohen Energieverbrauchs im Supermarkt ist daher die Effizienzsteigerung bei der Warenkühlung und bei der Beleuchtung.

Häufig entsteht so viel Abwärme durch die Lebensmittelkühlung, dass der Heizwärmebedarf dadurch bereits gedeckt werden kann. Da eine Abwärmenutzung die Effizienz der Kälteerzeugung beeinträchtigt, ist ein guter Wärmeschutz der Gebäudehülle trotzdem sinnvoll – idealerweise so, dass im Regelfall keine zusätzliche Heizung mehr benötigt wird. Umgekehrt sollte das Gebäude auch für den Sommerfall so konzipiert sein, dass nicht unnötig Energie für eine Kühlung gebraucht wird. Für die stets frische Luft im Passivhaus sorgt eine balancierte Lüftungsanlage mit Wärme- und eventuell auch Feuchterückgewinnung.

Dieses Passivhaus-Konzept wurde von der Firma MPREIS bereits dreimal erfolgreich umgesetzt (Pinswang, Natters, Patsch). Nicht nur die Kundenakzeptanz und die Zufriedenheit des Bauherrn, sondern auch die tatsächliche Reduktion der Energieverbräuche waren so groß, dass das Unternehmen beschlossen hat, dieses Konzept auch bei weiteren Märkten umzusetzen – aktuell sind drei weitere Neubauten in Planung bzw. Bau.

Zwei weitere Passivhaus-Supermärkte folgen in Bälde, denn die Geschäfsführung kann jetzt schon Resumee ziehen, dass sich die ökologische Investition auch wirtschaftlich rechnet.

Gerüstet für die Zukunft nach der Energiewende
Das Passivhaus erfüllt bereits seit 25 Jahren die künftigen Anforderungen der EU an ein „Nearly Zero-Energy Building“ (NZEB) ab 2020. Die bewährten Grundprinzipien des Passivhaus-Standards (sehr gute Wärmedämmung, Passivhaus-Fenster, luftdichte Gebäudehülle, wärmebrückenfreie Konstruktion und Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung) bilden die Basis für die Effizienz. Kombiniert mit der Erzeugung erneuerbarer Energien sind solche Gebäude bereits heute schon gerüstet für die Zukunft nach der Energiewende und sind somit nachhaltig für die kommenden Generationen. Dieses international funktionierende Baukonzept ist hinsichtlich Effizienz, Komfort, Nachhaltigkeit und vor allem auch Wirtschaftlichkeit konkurrenzlos – nicht nur bei Wohnbauten, sondern vor allem auch bei Nicht-Wohngebäuden wie etwa Supermarkt, Schule, Kindergarten, Schwimmbad, Hotel,
Museum und Vieles mehr.

Planungsbegleitende Beratung und Zertifizierung
Das von Prof. Dr. Wolfgang Feist im Jahr 1996 in Darmstadt gegründete Passivhaus Institut hat seit 2010 einen weiteren Standort in Innsbruck. Die Mitarbeiter dieses unabhängigen Forschungsinstitutes unterstützen Architekten, Planer und Bauherren bei der Projektierung und Umsetzung von hochenergieeffizienten Gebäuden in Form einer planungsbegleitenden Beratung. Dabei werden die Projekte standortbezogen und auf ihre jeweilige Nutzung und spezifischen Anforderungen hin betrachtet. Die Analyse der Gebäudehülle erfolgt mit dem 3D-Tool designPH, die Energiebilanz wird anschließend mit dem Passivhaus Projektierungspaket (PHPP) berechnet. Gegebenenfalls wird zusätzlich eine dynamische Gebäudesimulation gemacht.

Die Passivhaus-Supermärkte der Firma MPREIS wurden in wissenschaftlicher Begleitung mit dem Passivhaus Institut Standort Innsbruck entwickelt. Als unabhängige Stelle prüft und zertifiziert das Passivhaus Institut sowohl Gebäude als auch Komponenten.

Dieser Beitrag von Laszlo Lepp erschien in AGENDA - Newsletter der Arbeitsgemeinschaft der Nachhaltigkeitsagenda für Getränkeverpackungen
Titelfoto: Supermarkt Pinswang; Planung: Architekt Raimund Rainer ZT-GmbH; Fotocredits: Simon Rainer

Mittwoch, 17 Februar, 2016