Passivhaus beflügelt Baukultur in Gemeinden

Baukulturgemeinde-Preis 2016 ging an Krumbach

Der Baukulturgemeinde-Preis 2016 von LandLuft ging an die Gemeinden Krumbach, sowie Lustenau und Ybbsitz. Die 1.040 Einwohner zählende Gemeinde Krumbach aus dem Vorderen Bregenzerwald kann auf eine lebendige vielfältige Dorfinfrastruktur unter Einbeziehung international namhafter Architekten verweisen. Die meisten dieser Bauten sind vielfach publiziert und ausgezeichnet, von hohem architektonischem Niveau sowie von eindrucksvoller Qualität entsprechend den Aspekten von Nachhaltigkeit und Energieeffizienz in Passivhaus-Standard.

Während viele Gemeinden im ländlichen Raum von Ortskernentleerung, Zersiedelung und Kulturverlust geprägt sind, finden sich in Krumbach fünf Gasthäuser – einige davon mit überregionaler Ausstrahlung, zwei Kurhäuser, ein Caféhaus am Dorfplatz, 130 Gästebetten, ein Nahversorger sowie ein Sennerei-Verkauf, eine Bank, ein Friseur, ein Sozialzentrum und ein Haus für betreutes Wohnen. In Krumbach ist es der Politik und einzelnen Personen der Zivilgesellschaft gelungen, eine ganze Gemeinde und ihre Bürger zu inspirieren und zu aktivieren. So werden Personen und keine Parteien in den Gemeinderat gewählt. Es werden alle Gemeindemitglieder, die sich für bestimmte Themen interessieren und engagieren wollen, zur Mitarbeit in einer Projektvorbereitungsgruppe eingeladen. Bei Bauangelegenheiten werden Expertisen beigezogen und so gibt es in der 1.000 Seelen Gemeinde einen Gestaltungsbeirat zu Bau- und Raumplanungsfragen, der den Bürgermeister besser berät als Bauausschüsse üblicherweise.

Das alte Pfarrhaus war für die Bedürfnisse des Dorfes nicht mehr adaptierbar. Im neuen Pfarrhaus schafften die Architekten Platz für Musikprobelokal, Bücherei, einen kleinen Veranstaltungssaal, sowie mehr Raum für das pfarrliche Leben und Chorproben. Die Bibliothek wird mit im Schnitt 20 Entlehnungen pro Gemeindebürger und Jahr von der Bevölkerung sehr angenommen, ebenso wie die sieben von internationalen Architekten gestalteten Bushaltestellen.

Verdichtung im Dorfkern mit Öffnung für neue Bewohner
Der Zersiedelung wurde konsequent Einhalt geboten, indem Neubauten nur im Ortszentrum oder zur Nachverdichtung einzelner Siedlungsweiler gestattet werden. Das gilt besonders für die Alternativen zum Einfamilienhaus, die in Krumbach offensiv unterstützt werden. Das kommunale Klima färbt auf die gewerbliche und private Bautätigkeit ab und zeitigt Synergien. Überall findet man in Krumbach Alltagsbauten, die das österreichische Niveau deutlich überbieten.

Für viele dieser eindrucksvollen und in hoher Qualität geplanten und gebauten Gebäude stehen das Architekturbüro Hermann Kaufmann ZT GmbH, der Bauträger Morscher Bau- & Projektmanagement GmbH, sowie das Haustechnik Planungsteam E-Plus GmbH – alle Mitglieder der Passivhaus Austria. Diese fünf Passivhäuser bewirken eine überdurchschnittliche Passivhaus-Dichte von vier Quadratmeter je Einwohner. Alle diese Gebäude in regionaler Holzbauweise in Passivhaus-Standard verfügen über eine Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung und eine Solaranlage. Damit sind niedrigste Betriebskosten und höchster Wohnkomfort sicher gestellt. Und es gibt sogar Elektrotankstellen mit Solarstrom.

Passivhaus Deklaration für e5-Gemeinden in Vorarlberg
Von "A" wie Altach bis "Z" wie Zwischenwasser haben eine Vielzahl von Vorarlberger Gemeinden, im Rahmen vom e5-Programm, für ihren Wirkungsbereich den Passivhaus-Standard zum Mindeststandard für ihre kommunalen Bauten erklärt. In 5 Vorarlberger Regionen setzen unter anderem die Gemeinden Altach, Bregenz, Dornbirn, Frastanz, Götzis, Hörbranz, Krumbach, Langenegg, Mäder, Rankweil, Thüringen, Wolfurt und Zwischenwasser einen derartigen Beschluss seit vielen Jahren um. Mittlerweile haben rund 50 Gemeinden ihre öffentlichen Gebäude schadstoffarm und nachhaltig als Passivhaus planen und errichten zu lassen. Immer häufiger werden diese Passivhäuser auch als Null- oder Plusenergiehäuser ausgeführt.

Mit dem Passivhaus-Standard als Basis für die Erreichung der Klimaziele und dem Einsatz erneuerbarer Energieträger und nachwachsender Rohstoffe entsteht eine enkeltaugliche Architektur. Dass solche Gebäude einen wichtigen Beitrag zur Baukultur leisten, beweist Krumbach mit dem Gewinn des Baukulturgemeinde-Preises 2016, unterstreicht Helmut Krapmeier, Energieinstitut Vorarlberg. Gezielte Investitionen in Energieeffizienz und Erneuerbare sind die zuverlässigsten Garanten, die Abhängigkeit von Energieimporten zu beenden.

Fotocredits: Morscher

Donnerstag, 11 Februar, 2016