Passivhaus Austria unterstützt Offensive zur thermischen Sanierung

Passivhaus Markatstraße

Die Passivhaus Austria unterstützt die Offensive der thermischen Sanierung als Turbo für Wirtschaft und Arbeitsmarkt, wie sie in der Studie an der Johannes Kepler Universität bei Prof. Dr. Friedrich Schneider von LR Anschober in Auftrag gegeben wurde. Diese ist ein weiterer Beweis, wie mit steuerlichen Maßnahmen mehrfach positive Effekte ausgelöst werden können.

Wie schon in Frankreich, Luxemburg und Belgien erfolgreich praktiziert, soll von Mitte 2015 bis Ende 2016 die Mehrwertsteuer für Investitionen in die thermische Sanierung rückerstattet werden. Im Paket der Steuerreform wäre die konkrete Möglichkeit dies zu verankern. Dies würde in Österreich tausende neue Jobs in Bereichen schaffen, die von konjunkturellen Eintrübungen und Zurückhaltung bei Investitionen besonders betroffen sind argumentiert LR Anschober.

In der Studie wurde der Frage nachgegangen, welche Effekte die Aussetzung der Mehrwertsteuer für die thermische Wohnbausanierungen mit sich bringt. Insgesamt zeigte sich, dass die Maßnahme sowohl für die Wirtschaft als auch für die öffentliche Hand, ein lohnenswertes Unterfangen wäre. Die ganze Rechnung steht und fällt natürlich damit, ob es durch die Mehrwertsteuerbefreiung zu einer Erhöhung der Wohnbausanierung um 20% bzw. 30% kommt, und ob damit auch in diesem Ausmaß weniger gepfuscht wird. Aufgrund von Studien aus Belgien, Luxemburg und Frankreich zeigt sich aber, dass diese bescheidene Erhöhung eine durchaus realistische Annahme ist, folgern die Autoren.

Die Passivhaus Austria fordert aber den Entfall der Mehrwertsteuer an eine qualitätsgesicherte thermisch optimierte Sanierungen mit mindestens 85 Prozent Energieeffizienzsteigerung oder an die Unterschreitung des qualitätsgesicherten EnerPHit-Standards  mit 25 kWh/m²a – ausgenommen Denkmal geschützte Gebäude - zu binden. Dieser Vorschlag entspricht den Maßnahmen, welche die Stadt Brüssel seit 1.1.2015 konsequent erfolgreich umsetzt. Damit dies nicht an mangelnder Qualität scheitert, ist die Bindung an die konkreten Energieeffizienzkriterien, wie sie der EnerPHit-Standard bietet und deren Überprüfbarkeit, von entscheidender Bedeutung.

Politischer Mut bei Energieeffizienz zahlt sich aus
Das die von der Passivhaus Austria empfohlenen Maßnahmen auch ökonomisch sinnvoll sind, macht die im Jänner 2015 erschienene Studie „Monetary benefits of ambitious building energy policies“ von ABUD und GBPN deutlich. Erstmals wurden in einer Welt umspannenden Erfassung die monetären Vorteile einer engagierten Politik für hoch energieeffiziente Gebäude gegenüber einer verhaltenen moderaten Politik analysiert. 

Darin kommt zum Ausdruck, dass das „Deep efficiency scenario“, welches in etwa dem Passivhaus-Standard entspricht, deutlich ökonomischer ist als das „Moderate efficiency scenario“. Weltweit betrachtet zeigt sich, das bei einem engagierten Szenario nahe dem Passivhaus-Standard die Energieeinsparungen mit 99,2 Billionen Dollar mehr als doppelt so hoch sind als die Investitionskosten mit 44,3 Billionen Dollar und damit absolut positive ökonomische Vorteile bringt. Hingegen würden sich die Investitionskosten der zögerlichen Energieeffizienz-Politik ökonomisch gar nicht zurückzahlen.

„Es zahlt sich für Volkswirtschaften aus, keine halben Sachen bei der Energieeffizienz zu machen. Wer die Wirtschaftskrisen bewältigen will, kann dies am besten erreichen, wenn er ganz auf die bestmögliche Energieeffizienz setzt“, beteuert es Günter Lang, Leiter der Passivhaus Austria. „Damit kommen thermischen Sanierungen unter vollständiger Nutzung der kostenoptimalen Einsparungspotentiale höchste Bedeutung zu“, weist Univ. Prof. Dr. Wolfgang Feist vom Passivhaus Institut auf die Wirtschaftlichkeit von Sanierungen auf EnerPHit-Standard hin. Nach dem Motto „Wen schon, denn schon“ ist es am sinnvollsten, die Energieeffizienz gleich um 85 Prozent oder mehr zu steigern.

 

Titelfoto: Sanierung des MFH Markatstraße in Linz; Planung: ARCH+MORE; Fotocredits: Tollerian

Mittwoch, 18 Februar, 2015