Passivhäuser am günstigsten

Passivhäuser am günstigsten

Die energetischen Standards im geförderten Wohnungsbau in Hamburg sind keine Preistreiber bei den Baukosten. Das ergab eine Studie im Auftrag der Behörde für Umwelt und Energie. In der empirischen Untersuchung hat das Büro „F + B Forschung und Beratung für Wohnen, Immobilien und Umwelt“ die Baukosten von 4780 Wohneinheiten im öffentlich geförderten Wohnungsbau in Hamburg aus vier Jahren verglichen. Die Ergebnisse sollen ein Beitrag sein für die Diskussion zu den tatsächlichen Kostentreibern im Wohnungsbau.

Die Umweltstandards und Vorgaben zur Energieeffizienz wurden zuletzt immer wieder für Kostensteigerungen im Wohnungsbau verantwortlich gemacht. Es wurde der Eindruck erweckt, dass höhere energetische Standards ein zentraler Hemmnisfaktor für bezahlbare Wohnungen seien. Mit der nun vorliegenden wissenschaftlichen Untersuchung wird deutlich, dass dem nicht so ist und dass verschiedene andere Faktoren das Bauen in Hamburg teuer machen.

Auswertung der Baukosten in Hamburg nach Effizienzhausklassen in €/m²; Quelle: IFB Hamburg 2016

Die zentralen Ergebnisse der Studie sind:

  • Es gibt keinen signifikanten statistischen Zusammenhang zwischen Baukosten und energetischen Kenngrößen. Die Mittelwerte (Mediane) der Baukosten der verschiedenen Effizienzhausstandards unterscheiden sich nicht signifikant.
  • Die Streuung der Baukosten innerhalb jeder Effizienzhausgruppe ist sehr groß. Die Streuung ist beim gesetzlichen Standard sogar am größten.
  • Sowohl bei den energetisch besten als auch bei den energetisch schlechtesten Gebäuden gibt es teure und günstige Bauprojekte. Ein wesentlicher Anteil der Niedrigenergiehäuser hat sogar Bauwerkskosten (bereinigt ohne Tiefgaragen, Kostengruppen 300+400) von unter 1800 Euro/m2. Die Passivhäuser weisen im Median die geringsten Baukosten auf.

Für die Untersuchung wurden ca. 120 der rund 200 von der IFB (Hamburgische Investitions- und Förderbank) in den Jahren von 2011 bis 2014 bewilligten und anschließend realisierten Wohnungsbauprojekte eingehend erfasst und statistisch ausgewertet. Die Auswertung umfasste damit rund 4780 Wohneinheiten. Datengrundlage waren die vorliegenden Bau- und Förderakten der IFB. Damit ist dies bundesweit die breiteste Datenbasis für eine vergleichende empirische Baukostenanalyse.

Das komplette Gutachten als PDF-Download auf www.hamburg.de

Damit wird eine Studie der BOKU Wien bestätigt. Schon 2010 kamen die BOKU Wien und Kollegen, im Rahmen der Wiener Wohnbauforschung, zu nahezu den gleichen Ergebnissen für den großvolumigen Wiener Wohnbau. Es ist an der Zeit diese Tatsachen zu nutzen und im Sinne der mit November 2016 weltweit in Kraft tretenden Pariser Klimaschutzabkommen die richtungsweisenden Umsetzungen in Gang zu setzen, um bis 2050 die CO2-Emissionen gegen Null bringen zu können.

Klimaschutzziele geben Handlungsauftrag
Dass am Passivhaus zum erreichen der Klimaschutzziele kein Weg vorbei führt, macht auch die Konsulitierung der Energie- und Klimastrategie deutlich. Bei einer ersten Auswertung der online Konsulitierung der Energie- und Klimastrategie Österreich zeigt sich darüber hinaus, dass als künftiger allgemeiner energetischer Gebäudestandard mit überwältigender Mehrheit 84 mal das Passivhaus genannt wurde. An zweiter Stelle mit 24 Nennungen das Niedrigenergiehaus, 20 mal Plusenergiehaus und 18 mal Niedrigstenergiehaus.

Es ist nun ein Gebot der Stunde Klimaschutz, soziale Verantwortung, Energieunabhängigkeit, leistbares Wohnen, Wohnkomfort und Wirtschaftsankurbelung gemeinsam auf den besten größten gemeinsamen Nenner zu bringen - das Passivhaus bietet dafür die allerbesten Voraussetzungen - seit 25 Jahren bewährt.

 

Titelbild: Hamburger Wohnhaus im Passivhaus-Standard in historischem Design. Es ist nicht bekannt, ob dieses Gebäude Teil der Studie war.
Text: Teilweise von Gebäude Energieberater übernommen

Donnerstag, 6 Oktober, 2016