Neue Wohnbauförderungen in Tirol und Kärnten

Neue Wohnbauförderungen in Tirol und Kärnten

Die Bundesländer Tirol und Kärnten haben ihre Wohnbauförderungen neu geregelt. Teilweise wurden hier leider Rückschritte gemacht, es gibt aber auch wesentliche Fortschritte wie eine Förderung für die Zertifizierung des Passivhaus-Standards.

Wohnbauförderung in Tirol

Seit 1. Oktober 2017 ist die neue Tiroler Wohnbauförderung in Kraft. Darin wird das Passivhaus speziell auch in Bezug auf die PHI Zertifizierung nochmals verbessert gefördert.

Für die Ausführung als Passivhaus mit n50 <0,60: (wie bisher)

  • Für EFH gibt es € 96,-/m² Nutzfläche (bis max. 110m²) also max. € 10.560,- nicht rückzahlbaren Zuschuss
  • Für MFH gibt es € 80,-/m² Nutzfläche (bis max. 110m²) also max. € 8.800,- nicht rückzahlbaren Zuschuss

Für die PHI Zertifizierung: (neu)

  • Für EFH gibt es € 12,-/m² Nutzfläche (bis max. 110m²) also max. € 1.320,- je Wohneinheit nicht rückzahlbaren Zuschuss
  • Für MFH gibt es € 10,-/m² Nutzfläche (bis max. 110m²) also max. € 1.100,- je Wohneinheit nicht rückzahlbaren Zuschuss

Beispiel MFH:

  • Für ein MFH mit 50 WE á 80m² wären dies € 40.000,- Zuschuss nur für eine PHI Zertifizierung

Damit zahlt es sich besonders aus, ein Passivhaus zu errichten und dabei auf die Qualitätssicherung zu achten. Deshalb haben auch schon erste Bauträger reagiert und werden ihre künftigen Wohnbauten in Passivhaus-Standard nach PHPP gerechnet ausführen.  Dies wird auch die Nachfrage nach zertifizierte Passivhaus-Planer erhöhen, um die Projekte nach PHPP zu berechnen und die Qualitätssicherung zu forcieren. Wir gehen auch davon aus, dass mit dieser Zusatzförderung auch für mehr Gebäude die PHI Zertifizierung angestrebt wird.

 

Wohnbauförderung in Kärnten

Am 01.01.2018 tritt das neue Kärntner Wohnbauförderungsgesetz (K-WBFG 2017) in Kraft. Die energetischen Mindestanforderungen sind weggefallen, was wir als einen deutlichen Rückschritt betrachten. Als Verbesserung kann hingegen hervorgehoben werden, dass es nun eine Bonusförderung gibt, wenn man ein Passivhaus errichtet und dieses auch nach PHPP berechnet.

„Zeitgemäßes, qualitativ hochwertiges und leistbares Wohnen für die Kärntner Bevölkerung sicherzustellen, dies unter Berücksichtigung klimarelevanter, ökologischer Gesichtspunkte ist eine der wichtigsten Zielsetzungen der neuen Wohnbauförderung“, ist in der Einleitung der neuen Wohnbauförderung für Kärnten zu lesen. Doch gleich danach lautet es: „Ab 1. 1. 2018 wird der Weg zur Wohnbauförderung drastisch erleichtert – beispielsweise durch den Wegfall von strengen energetischen Mindestanforderungen.“ Ein Rückschritt für den Klimaschutz, der politisch durch Lobbydruck wider aller Klimaschutzverpflichtungen Eingang in die Novelle des Kärntner Wohnbauförderungsgesetzes für 2018 gefunden hat.

Betrachtet man jedoch nur jene energetisch relevanten Förderaspekte, welche sich auch wirtschaftlich amortisieren können – also Energieeffizienzkriterien und Solaranlagen bzw. PV-Anlagen, zeigt sich, dass es sich sehr wohl auszahlt, den energetisch besten Standard umzusetzen.

Fallbeispiel Eigenheim:
Als Basisförderung werden für ein Eigenheim nach Bauordnung € 300/m² Nutzfläche gewährt. Wird das gleiche Eigenheim jedoch als Passivhaus ausgeführt erhöht sich diese Förderung um 50 Prozent auf € 450/m² Nutzfläche. Dieser Bonus setzt sich aus dem Energieeffizienzbonus für das NZEB (2020) und dem Passivhaus-Bonus nach PHPP zusammen.

Für ein Eigenheim mit 3 Personen mit einer Basisförderung  von € 22.500,- kommen somit eine Bonusförderung von 11.250,- für ein Passivhaus hinzu, bzw. € 15.250,- für ein Passivhaus Plus mit Photovoltaik oder thermischer Solarenergie. Beim Passivhaus Plus erhöht sich die Basisförderung somit um rund 67 Prozent.

Fallbeispiel Eigentumswohnung im mehrgeschossigen Wohnbau:
Als Basisförderung werden für eine Eigentumswohnung nach Bauordnung € 300/m² Nutzfläche gewährt. Wird die gleiche Eigentumswohnung jedoch als Passivhaus mit klima:aktiv Gold Zertifizierung ausgeführt erhöht sich diese Förderung um 67 Prozent auf € 500/m² Nutzfläche. Dieser Bonus setzt sich aus dem Energieeffizienzbonus für das NZEB (2020), dem Passivhaus-Bonus nach PHPP und dem klima:aaktiv Gold Bonus zusammen.

Für eine Eigentumswohnung mit 3 Personen mit einer Basisförderung  von € 22.500,- kommen somit eine Bonusförderung von 15.000,- für ein Passivhaus mit klima:aktiv Gold Zertifizierung hinzu, bzw. rund € 19.000,- für ein Passivhaus Plus mit Photovoltaik oder thermischer Solarenergie und mit klima:aktiv Gold Zertifizierung. Bei einer Eigentumswohnung in einem Passivhaus Plus samt klima:aktiv Gold Zertifizierung  erhöht sich die Basisförderung somit um ganze 84 Prozent.

Fallbeispiel Mietwohnung:
Für Mitwohnungen sind unter dem Deckmantel „soziale Nachhaltigkeit“ bzw. „leistbares Wohnen“ auf Druck der gemeinnütziger Wohnbaugesellschaften sämtliche Verbesserungen für die energetischen Qualitäten der Gebäude aus der Wohnbauförderung heraus gefallen. Gerade für jene Bevölkerungsgruppe,  die künftig am meisten von steigenden Energiepreisen betroffen sein wird, ist nach der neuen Kärntner Wohnbauförderung nur noch die Einhaltung der Mindestanforderung nach Bauordnung – also der energetisch schlechteste Standard mit den höchsten Energiekosten – relevant.

 

Titelfoto: Erstes Passivhaus Plus Österreichs, die Wohnanlage Vögelebichl Innsbruck;

Montag, 11 Dezember, 2017