Neue Passivhaus-Kategorien bewerten Energiegewinne

Darmstadt. Die Effizienz des klar definierten Passivhaus-Standards hat sich in der Praxis tausendfach bewährt. Um auch bei der darüber hinausgehenden Nutzung erneuerbarer Energien eine verlässliche Orientierung zu bieten, führt das Passivhaus Institut neue Kategorien ein. Diese berücksichtigen nicht nur den Energiebedarf, sondern auch die Energieerzeugung am Gebäude, etwa durch Photovoltaik. Das Passivhaus ist damit nicht nur eine attraktive Lösung für die Energiewende, sondern zugleich die Basis für das „Nearly Zero-Energy Building“ der EU-Gebäuderichtlinie.

„An einem Gebäude ein Plus an Energie zu erzeugen, ist in vielen Fällen nicht nur möglich, sondern in höchstem Maße sinnvoll“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Feist, Leiter des Passivhaus Instituts. Bei der Festlegung eines Standards komme es aber auf eine ehrliche Rechnung an. „Wenn ein Gebäude im Sommer einen Überschuss produziert, führt das nicht unbedingt zu einer ausgeglichenen Bilanz. Gerade im Winter, wenn am meisten geheizt wird, ist der Ertrag von Solaranlagen meist gering. Die Rechnung geht daher nur auf, wenn auch der Energiebedarf des Gebäudes gering ist.“


Voraussetzung bleibt die Energieeffizienz des Passivhaus-Standards
Zusätzlich wird in den neuen Gebäude-Kategorien die Deckung des verbleibenden Bedarfs über erneuerbare Quellen bewertet.

  • Das Label „Passivhaus Plus“ besagt, dass bei einem Haus in etwa so viel Energie produziert, wie verbraucht wird.
  • Mit dem Siegel „Passivhaus Premium“ wird ein Überschuss an erzeugter Energie bescheinigt.

Die Details zu den neuen Passivhaus-Klassen wird Prof. Dr. Wolfgang Feist auf der Internationalen Passivhaustagung vom 25. bis 26. April 2014 in Aachen präsentieren.


Passivhaus und Erneuerbare - eine ideale Symbiose

„Die Energieerzeugung wird in den neuen Klassen vor dem Hintergrund der jeweiligen Möglichkeiten des Gebäudes betrachtet“, sagt Dr. Benjamin Krick, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Passivhaus Institut. „Ein Einfamilienhaus auf Passivhaus-Niveau kann vergleichsweise leicht einen Überschuss erzielen. Ein mehrgeschossiges Gebäude hat es hingegen viel schwerer, weil im Vergleich zur Nutzfläche weniger Dachfläche zur Verfügung steht. Daher wird die Energieerzeugung auf die Grundfläche bezogen.“

Als Referenz gilt in der Bewertung ein zukunftsfähiges Szenario, in dem, verbunden über das Stromnetz, ausschließlich erneuerbare Energien genutzt werden.

Mit dem vor mehr als 20 Jahren entwickelten Passivhaus-Standard werden gegenüber herkömmlichen Gebäuden durchschnittlich 90 Prozent der Heizenergie eingespart. Hocheffiziente Fenster, eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und eine gute Dämmung der Außenwände halten die Wärme im Haus. Der verbleibende Bedarf kann weitgehend durch passive Wärmequellen gedeckt werden – durch einfallende Sonnenwärme sowie durch die Abwärme von Personen und elektrischen Geräten.

Die Kriterien des Passivhaus-Standards sind auf Grundlage physikalischer Prinzipien klar definiert und für jeden verständlich. Die Funktion in der Praxis ist mit zahlreichen Monitoring-Projekten belegt – weltweit sind nach Schätzungen der Passivhaus Austria bereits über 50.000 Gebäude im Passivhaus-Standard gebaut worden. Anreiz für den Bau eines Passivhauses sind oft wirtschaftliche Erwägungen: Zusätzliche Investitionen werden durch die Einsparungen bei den Energiekosten in der Regel bereits nach wenigen Jahren ausgeglichen. Für die Nutzer liegt ein weiterer Vorteil des Passivhauses in dem erhöhten Wohnkomfort, mit durchweg warmen Innenoberflächen und optimaler Raumluftqualität.

Details zum Passivhaus-Standard und zur Zertifizierung von Passivhäusern: www.passiv.de und www.phi-ibk.at

Programm der Internationalen Passivhaustagung 2014 in Aachen: www.passivhaustagung.de

Dienstag, 4 März, 2014