Leistbares Wohnen braucht Energieeffizienz

Leistbares Wohnen braucht Energieeffizienz

Zu Recht steigt die Sorge um leistbares Wohnen. Die Medienstelle für Nachhaltiges Bauen warnt anlässlich der Vorstellung eines Forderungskataloges der „Plattform Wohnungsbau“ jedoch vor Rückschritten bei der Energieeffizienz und Umweltorientierung im Bauwesen, die für Volkswirtschaft, Haushalte und Umwelt eine zentrale Notwendigkeit darstellt.

Missverhältnis generelle Ausgaben vs. Realeinkommen
Die Gründe für die sinkende Erschwinglichkeit bei Wohnen sind vielfältig, und haben nur zu einem geringen Teil mit den Kosten für Umweltmaßnahmen zu tun. Neben baubranchenspezifischen Kostentreibern wie ein teils überfrachteter Normenkatalog und hohen Grundstückskosten gilt es insbesondere gesellschaftspolitische Entwicklungen zu betrachten: Allen voran sorgt das Missverhältnis zwischen generell steigenden Ausgaben für Konsumenten und seit Jahrzehnten sinkenden Realeinkommen für finanzielle Engpässe in den heimischen Haushalten. Besonders deutlich wird dies beim seit vielen Jahren steigenden Bedarf an Fördermittel für Subjektförderung, zu Lasten des tatsächlichen Wohnbaus, der Objektförderung.

Bei Nachhaltigkeit sparen bedeutet falsch zu sparen
Insbesondere in Hinblick auf zu erwartende langfristig steigende Energiepreise und Heizkosten sowie der Realität des Klimawandels sind langfristige Strategien bei der Energieeffizienz für Volkswirtschaft, Haushalte und Ökologie unumgänglich. Unter anderem belegt die Studie „COIN – Cost of Inaction: Assessing the Costs of Climate Change for Austria“, bis 2050 volkswirtschaftliche Schäden, die durch den Klimawandel verursacht werden, in Höhe von bis zu 8,8 Mrd. Euro jährlich. Auch wenn es vielleicht einfach wäre auf Nachhaltigkeit im Bauwesen zu verzichten, ist das zu kurz gedacht und hätte weitreichende Folgen. Bei Nachhaltigkeit sparen bedeutet falsch zu sparen. Robert Lechner, Leiter des Österreichischen Ökologie-Instituts: „Es ist für das ganze Land beschämend, dass ein derartiger Vorschlag genau zum Auftakt der Weltklimakonferenz in Paris kommt. Die angedachte Rückkehr der Effizienzanforderungen auf den Wert des Jahres 2010 untergräbt die Bemühungen Österreichs für eine nachhaltige Entwicklung und wird die Folgegenerationen enorm belasten. Wir bewegen uns wieder in Richtung Steinzeit des nachhaltigen Bauens.“

Studien: Kosten für nachhaltiges Bauen sinken
Zudem steht es mit den Mehrkosten für nachhaltiges Bauen nicht ganz so, wie oft verbreitet wird: Die Studie der Universität für Bodenkultur Wien „Nachhaltigkeitsmonitoring ausgewählter Passivhaus-Wohnhausanlagen in Wien“ hat die Herstellungskosten im Vergleich zum Baustandard Niedrigenergiehaus gegenübergestellt. Das Ergebnis: Die Kosten für nachhaltiges Bauen sinken aufgrund technischer Entwicklungen, besonders im mehrgeschossigen Wohnbau. Die aktuelle deutsche Studie „Preisentwicklung Gebäudeenergieeffizienz“ hat dazu am Beispiel des Neubaus einer Doppelhaushälfte dargestellt, wie sich tatsächliche Kosten von 1990 bis heute im Lichte zunehmender gesetzlicher Anforderungen an die Energieeffizienz entwickelt haben – preisbereinigt über den Baukostenindex. Das Ergebnis: Zahlreiche Bauteile wie Porenbetonwand, Fenster, Dach oder Heizungspumpen kosten heute weit weniger bzw. erhält man eine weit bessere Qualität um den selben Preis. Die Autoren: „Angesichts der Ergebnisse dieser Initialstudie scheint die These von der „steigenden Energieeffizienz als natürlicher Feind des kostengünstigen Bauens“ nicht haltbar zu sein.“

Mehrkosten: gering bis null
Die Studie des Energieinstituts Vorarlberg „Analyse des kostenoptimalen Anforderungsniveaus für Wohnungsneubauten in Vorarlberg“ (2013) hat verschiedene Gebäudetypen in Hinblick auf Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit über 30 Jahre errechnet und verglichen. Die Studie zeigt deutlich, dass die Mehrkosten für optimal ökologisch und energieeffiziente Gebäude bei Betrachtung über mehrere Jahrzehnte egalisiert werden bzw. äußerst gering sind.

Robert Lechner abschließend: „Seit mehreren Jahren wird von Teilen der Bauwirtschaft gezielt gegen den Klimaschutz im Hochbau gearbeitet. Dass Investitionen in die Umwelt wiederholt als Hauptursache für gestiegene Baukosten dargestellt werden, ist solange nicht nachvollziehbar, als nicht auf die exorbitant gestiegenen Grundstückskosten als Hauptfaktor eingegangen wird. Und auch die Fortschritte bei der Energieeffizienz von Gebäuden der letzten Jahre können nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir meilenweit vom Soll der Klimaziele entfernt sind.“

Weiterführende Informationen v.a. zur Wirtschaftlichkeit von nachhaltigem Bauen und Sanieren finden Sie auf der Webseite der Medienstelle unter www.nachhaltiges-bauen.jetzt.

 

Titelfoto: Geschoßwohnungsbau "so.vie.so"; Fotocredits: Alexander Schindler

Montag, 30 November, 2015