Klima- u. Energiefonds-Beirat fordert klares Bekenntnis zum Klimaschutz

Klima- u. Energiefonds-Beirat fordert klares Bekenntnis zum Klimaschutz

Im Rahmen seiner kürzlich geendeten Funktionsperiode ziehen die Mitglieder des Expertenbeirats des Klima- und Energiefonds, Robert Korab, Helga Kromp-Kolb, Stephan Schwarzer und Diana Ürge-Vorsatz Bilanz. Sie fordern im Anschluss an die Budgetverhandlungen und zu Beginn der UN-Klimakonferenz ein klares inhaltliches und finanzielles Bekenntnis Österreichs zum Klimaschutz.

„Wir stehen vor einer Jahrhundertaufgabe: der nachhaltigen, klimafreundlichen Gestaltung unseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystems. Jetzt ist es Zeit, in Klimaschutz zu investieren, denn nun werden die Weichen für die Zukunft gestellt. Der Klima- und Energiefonds leistet mit einzigartiger Netzwerkarbeit, Aufbau von Fach- und Forschungskompetenz und der Förderung struktureller Veränderung einen unentbehrlichen Beitrag für die Klimaschutzbemühungen der Bundesregierung. Er sollte daher unbedingt gestärkt werden“, fasst die Vorsitzende des internationalen Expertenbeirats, die renommierte Klima-Forscherin Diana Ürge-Vorsatz, zusammen.

Fonds schlägt Brücke zwischen Forschung, Wirtschaft und Verwaltung
Der Klima- und Energiefonds leistet kontinuierliche Arbeit im Sinne des Klimaschutzes und der Energiewende und erfüllt damit eine wichtige Funktion in Österreich, betont der Beirat. In den vergangenen acht Jahren ist es dem Klima- und Energiefonds gelungen, durch seine aktive Netzwerkarbeit eine Brücke zwischen Forschung und Umsetzung innovativer Lösungen und Technologien zu schlagen. Darüber hinaus habe er sowohl die Energieeffizienz als auch den strukturellen Wandel entscheidend vorangetrieben. Die Fördermittel des Klimafonds haben sich seit der Gründung zu einem wichtigen Instrument entwickelt, grundlegende Veränderungen anzustoßen und zu unterstützen. Dies ist vor dem Hintergrund der in wenigen Tagen startenden Klimakonferenz in Paris nicht nur von umweltpolitischer, sondern auch ökonomischer und sozialer Relevanz.

Klima- und Energiefonds besticht durch Unabhängigkeit und Flexibilität
Die Klimakonferenz in Paris 2015 wird der internationalen Klimapolitik Schwung verleihen, mit neuen Initiativen auf nationaler und internationaler Ebene. „Das bringt auch für Österreich zusätzliche Herausforderungen. Es ist daher besonders wichtig, die Rolle des Klima- und Energiefonds zu stärken und auszubauen, denn er hat aus unserer Sicht die nötige Flexibilität“, betonen die ExpertInnen. „Er könnte als integratives Instrument für die Aktivitäten von der Gemeindeebene bis zur staatlichen Ebene und quer über die Ressorts und Wirtschaftssektoren dienen. Österreich wird in Zukunft einen zentralen Player brauchen, der mittel- und langfristige Ziele verfolgt.“

Weiterentwicklung des Fonds u.a. mit mehrjährige. Budget
Um diese Anforderungen erfüllen zu können, muss der Fonds weiterentwickelt werden. Dazu gehört eine Ausstattung mit einem mehrjährigen Budget. „Die derzeit diskutierten Kürzungen beim Budget des Klima- und Energiefonds werten wir nicht nur als falsches Signal, sondern als Entwicklung in die falsche Richtung“, unterstreichen die Mitglieder des Beirates einvernehmlich.

Auch Günter Lang, Leiter der Passivhaus Austria, fordert die Regierung auf, endlich zu eine konsequenten Klimapolitik mit langfristigen positiven Signalen sowohl für das Klima als auch für den Wirtschaftsaufschwung zu setzen, was sich durchaus vereinbaren lässt. Wir müssen es schaffen von der Leuchtturmpolitik mit weltweit herausragenden Pionierprojekten zu einer flächendeckenden breiten Umsetzungspolitik zu gelangen. Forschung ist nur dann wirklich erfolgreich, wenn die daraus gewonnenen Ergebnisse danach auch konsequent in der Breite umgesetzt werden. In Österreich wird aber genau dieser wichtige Folgeschritt immer wieder durch den massiven Einfluss von diversen Lobbys in der Politk schlussendlich unterlaufen und genau das Gegenteil gefordert. Andere Länder und Regionen gehen hierbei einen viel nachhaltigeren Weg.

So wurde z.B. in der Region Brüssel in Folge eines dreijährigen erfolgreich verlaufenen Forschungsförderungsprogrammes entschieden, dass diese Forschungserfolge mit einer Übergangsfrist von fünf Jahren zum Baustandard erklärt werden. So gilt seit 1. Jänner 2015 der Passivhaus-Standard in der Bauordnung als Mindeststandard und selbst bei umfassenden Sanierungen darf der Energieverbrauch maximal 20 Prozent höher sein. In der irische Provinz Dún Laoghaire Rathdown County ist dieser Beschluss am 14.10.2015 mit Gültigkeit ab 1.1.2016 gefallen. Und in New York hat Bürgermeister Bill de Blasio mit dem Policy Plan "One City: Built to Last" in September 2014 einen entscheidenden Schritt gesetzt, um bis 2050 die CO2-Emissionen dramatisch um 80 Prozent zu senken. Darin ist mittlerweile die flächendeckende Umsetzung des Passivhaus-Standards im Neubau und EnerPHit-Standards in der Sanierung zur wichtigsten Maßnahme erklärt worden. Gleichzeitig wurde ein umfangreiches Ausbildungsprogramm für das Planungs-, Immobilien- und Baugewerbe zur Umsetzung des Passivhaus-Standards und der Bau des weltweit höchsten Passivhauses gestartet.

Hintergrundinformation zum Expertenbeirat
Ein aus vier Hauptmitgliedern sowie vier Ersatzmitgliedern zusammengesetzter Expertenbeirat steht dem Präsidium und der Geschäftsführung des Klima- und Energiefonds bezüglich Richtlinien, strategischer Planung und Jahresprogramm beratend zur Seite. Der Expertenbeirat kann zudem insbesondere bei der Entscheidung über die Förderwürdigkeit von Projektansuchen sowie zur Beurteilung der Zweckmäßigkeit von Anboten zu Rate gezogen werden. Von Oktober 2011 bis Oktober 2015 bildeten Robert Korab, Helga Kromp-Kolb, Stephan Schwarzer und Diana Ürge-Vorsatz – ein kompetentes, internationales und renommiertes Team – den Expertenbeirat, unterstützt durch die Ersatzmitglieder Andreas Eigenbauer, Angela Köppl, Herbert Lechner, Jürgen Schneider. Der neue Expertenbeirat des Klima- und Energiefonds wird in Kürze bestellt.

 

Titelfoto: Im Bild v.l.n.r. Dr. Robert Korab, Geschäftsführer der raum & kommunikation GmbH, Univ.-Prof. Diana Ürge-Vorsatz, Direktorin des „Center for Climate Change and Sustainable Energy Policy (3CSEP)“ an der Central European University (CEU) in Budapest, Univ.-Doz. Dr. Stephan Schwarzer, Leiter der Abteilung für Umwelt- und Energiepolitik in der Wirtschaftskammer Österreich und O.Univ.-Prof. Dr. phil. Helga Kromp-Kolb, Leiterin des Institutes für Meteorologie und des Zentrums für Globalen Wandel und Nachhaltigkeit an der Universität für Bodenkultur, Wien
Fotograf: Thomas Preiss/APA

Montag, 30 November, 2015