Jetzt Wirtschaftsturbo „thermische Altbausanierung“ starten

Es klingt fast wie ein Märchen. Die strauchelnde Wirtschaft mit 500 Millionen ankurbeln ohne dabei den Staatshaushalt zu belasten. Die Zahl der Arbeitsplätze, die Qualität am Bau und den Wohnkomfort erheblich steigern. Die Energiekosten und Schadstoffemissionen drastisch senken, von Energieimporten unabhängig werden und die Klimaschutzziele erreichen. Der Finanzminister nimmt mehr Steuern ein und die Bewohner sparen sich ein Leben lang viel Geld. Und doch ist es kein Traum, sondern könnte mit ein bisschen politischen Willen noch 2015 Realität in Österreich werden!

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Wirtschaft ankurbeln ohne Budget zu belasten
Mit einer Anhebung des Fördervolumens für den Sanierungsscheck auf jährlich 500 Millionen Euro könnten jedes Jahr fünf Millionen Quadratmeter Altbau nachhaltig saniert werden. Dies würde das Defizit der österreichischen Handelsbilanz um jährlich 100 Millionen Euro entlasten, und gleichzeitig kann sich Finanzminister Dr. Hans Jörg Schelling über Steuereinnahmen von 720 Millionen Euro erfreuen, die durch die gesteigerte arbeitsintensive Altbausanierung in die leeren Staatskassen kommen.

Dies würde genau den Worten des Vizekanzlers Dr. Reinhold Mitterlehner entsprechen, der in der ZIB II am 8.1.2015 zur Ankurbelung der Wirtschaft meinte: „Es wird wichtig sein, durch eine gezielte Wohnbauoffensive die Konjunktur ohne Budgetbelastung zu stimulieren“. Für die Mieter, Eigentümer und Nutzer liegt der Vorteil in der deutlich günstigeren Energierechnung und dem erhöhten Wohn- und Nutzerkomfort.

Sanierungsscheck - sinnvoll aufwerten bringt‘s
Für die thermische Sanierung schlägt Günter Lang von der Passivhaus Austria seit langem eine Überarbeitung des Sanierungsschecks vor. Kein weiteres Fördergeld für fragwürdige Einsparungen durch Einzelmaßnahmen und mäßige Sanierungsqualitäten als Mitnahmeeffekte, welche sich dann langfristig wirtschaftlich kontraproduktiv auswirken. Stattdessen soll der Sanierungsscheck nur an thermisch optimierte Sanierungen mit mindestens 85 Prozent Energieeffizienzsteigerung oder bei Unterschreitung des qualitätsgesicherten EnerPHit-Standards  mit 25 kWh/m²a – ausgenommen Denkmal geschützte Gebäude - ausbezahlt werden.

Umfassende Sanierung auf EnerPHit-Standard mit 7.500 Euro je Wohneinheit fördern
Mit der Förderanhebung von 5.000 auf 7.500 Euro steigt die Attraktivität des Sanierungsschecks für Investitionen erheblich, und gleichzeitig sinken die Energiekosten um nochmals 50 Prozent gegenüber der derzeit höchsten Förderstufe. Auf Grund der erheblich besseren Ausführungsqualität steigen auch die damit verbundene Wirtschaftsleistungen und Steuereinnahmen. Damit es aber zu keinem Pfusch kommt, ist die Bindung an die konkreten Energieeffizienzkriterien, wie sie der EnerPHit-Standard bietet und deren Überprüfbarkeit von entscheidender Bedeutung.

Energieversorger können Effekte verdoppeln
„Mit dem neuen Energieeffizienz-Gesetz können nun konkrete Umsetzungen erfolgen. Der Gebäudesektor bietet hier enorme Effizienzpotentiale, welche noch dazu kostenoptimal realisiert werden können“, betont Günter Lang, Leiter der Passivhaus Austria. Im Rahmen dieses Gesetzes müssen die Energieversorger nun jährlich 0,6 Prozent des Energieverbrauchs ihrer Kunden einsparen. Wirkungsvolle Umsetzungen sind bisher ausgeblieben, was bisher großes Kopfzerbrechen bereitet hat. Mit dem international bewährten EnerPHit-Qualtätsnachweis ist sehr übersichtlich die tatsächlich erzielbare Energieeffizienzsteigerung für das ganze Gebäude ersichtlich.

„Damit kommen umfassenden thermischen Sanierungen unter voller Ausnutzung ihrer kostenoptimalen Einsparungspotentiale höchste Bedeutung zu“, weist Univ. Prof. Dr. Wolfgang Feist vom Passivhaus Institut auf die Wirtschaftlichkeit von Sanierungen auf EnerPHit-Standard hin. Nach dem Motto „Wen schon, denn schon“ ist es am sinnvollsten gleich um 85 Prozent oder mehr die Energieeffizienz zu steigern. In Dänemark wurden im Rahmen des Energieeffizienz-Verpflichtungssystems Einsparungen mit durchschnittlichen Kosten von 5,6 Cent/kWh erreicht. Auch für Österreich beziffert die E-Control die niedrigsten Kosten mit 4,64 Cent pro eingesparte Kilowattstunde. Das Passivhaus Institut hat jüngst erst mit dem Component Award nachgewiesen, dass z.B. die Kosten für zertifizierte Passivhaus-Fenster lediglich 3,2 Cent/kWh betragen und damit auf die Lebenszykluszeit viermal so viel Geld einsparen als herkömmliche Fenster.

Zuletzt hat im Dezember 2014 Karl Aiginger vom WIFO bei der Eröffnung der eigenen Sanierung des WIFO-Bürogebäudes auf die enormen positiven volkswirtschaftlichen Aspekte und Schaffung von Arbeitsplätzen eindringlich hingewiesen. Nun gilt es, diesen Weg aber konsequent zu beschreiten. Eine Sanierungsoffensive mit qualitätsgesicherten Einsparungszielen stärkt die österreichische Wirtschaft, bringt Österreich beim Klimaschutz wieder in Vorreiterposition und spart Energie und Geld. Und außerdem darf sich der Finanzminister über zusätzliche Steuereinnahmen freuen.

Österreichs größter Immobilienbesitzer, die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), die sich im Besitz des Bundes befindet, wird nun im Rahmen des Energieeffizienz-Gesetzes eine jährliche Sanierungsrate von drei Prozent umsetzen. Dies macht aber nur Sinn, wenn dabei auch die thermische Qualität der Sanierungen vorbildlich umgesetzt wird. Mit den Sanierungen der Baufakultät der Universität Innsbruck auf EnerPHit-Standard und dem TU Wien Gebäude am Getreidemarkt zum Plusenergie Hochhaus hat die BIG unter Beweis gestellt, das es möglich ist. Nun gilt es, diesen Weg konsequent weiter zu beschreiten. Wie Vizekanzler Mitterlehner in seinem Interview ebenfalls betonte, ist eine Sanierungsoffensive der Bundesgebäude, die mit der BIG auch Schulen umfasst, ein nun wichtiger weiterer Wirtschaftsimpuls.

Die Stadt Brüssel hat es übrigens geschafft, dass seit 1. Jänner 2015 sämtliche umfassende Sanierungen danach nur noch einen maximalen Heizwärmebedarf von 18 kWh/m²a aufweisen (ausgenommen Denkmal geschützte Bauten).

Titelfoto: Sanierung in Purkersdorf; Planung und Fotocredits: Arch. Reinberg

 

Freitag, 9 Januar, 2015