FAQ

Hier finden Sie die Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen über Passivhäuser.

Allgemeine Fragen

Wie lauten die Kriterien für den Passivhaus Standard?

Der Heizwärmebedarf darf den Grenzwert von 15 kWh/(m²a) nicht überschreiten. Über diesem Wert ist in Mitteleuropa eine Restbeheizung des Gebäudes über Zuluft nicht mehr sinnvoll möglich. Die zweite Anforderung wird an die Luftdichtheit der Gebäudehülle gestellt (n50 ≤  0,6 h-1). Die dritte Anforderung wird an den sogenannten Primärenergiekennwert gestellt, der neben der Heizwärme auch alle Energieverbräuche im Gebäude berücksichtigt (Warmwasser, Strom), sowie die „Art„ ihrer Herstellung. Dieser Primärenergiekennwert darf 120 kWh/(m²a) nicht überschreiten und kann mit dem PHPP (Passivhaus Projektierungs Paket; Planungshilfe auf Microsoft Excel* Basis) berechnet werden. Die Einhaltung dieses Wertes setzt, neben dem hohen Dämmstandard, den Einsatz einer sehr effizienten Haustechnik und energiesparender Haushaltsgeräte voraus. Kriterien für Passivhäuser

Sind Passivhäuser nicht zu teuer?
Auch wenn es Bauträger gibt, die Passivhäuser genauso günstig wie konventionelle Häuser anbieten, so gilt doch im Allgemeinen, dass die hohe Qualität der Passivhaus-Komponenten beim Bau für geringe Mehrkosten sorgt.  Mehrere unabhängig voneinander durchgeführte Studien kommen zu dem Ergebnis, dass sich die Mehrkosten  im Neubau mittlerweile nur noch bei zwei bis sechs Prozent bewegen , sodass das Passivhaus im Vergleich zu einem konventionellen Gebäude schon nach kurzer Nutzungsdauer die günstigere Lösung ist.
Der Werterhalt eines Passivhauses ist durch die hohe Qualität (weniger Bauschäden durch luftdichte Bauweise und hohe Oberfächentemperatur, die Tauwasserausfall und damit Schimmelbildung verhindern) hierbei noch nicht berücksichtigt. Der erhöhte Wohnkomfort lässt sich monetär nicht ausdrücken. Mit der vermehrten Serienfertigung der notwendigen Komponenten (Fenster, Haustechnik) ist auch mit einer weiteren Preisreduzierung zu rechnen.

Ist das Passivhaus nicht ein kompliziertes Hightech-Haus?
Nein, das Passivhaus ist vielmehr ein Lowtech-Haus - ein sehr gutmütiges und einfach zu bedienendes Haus. Die Komfortlüftung hat weniger Schaltknöpfe als ein normaler Fernseher! Das Passivhaus bietet Technik zum Anfassen: So kann der jährliche Filterwechsel von den Bewohnern selbst durchgeführt werden. Da in einem Passivhaus in der Regel statt der Heizung nur noch eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung (WRG) und einem Nachheizregister notwendig ist, kann eher von Häusern mit einfacher Haustechnik gesprochen werden. Es gibt in der Regel weniger Technik zu bedienen und zu warten als in einem herkömmlichen Gebäude. Die eingesetzten Komponenten, wie Fenster und WRG sind allerdings Produkte von sehr hoher Qualität – selbstverständlich wird bei ihrer Herstellung Hightech eingesetzt.

Sind Passivhäuser z.Z. nicht noch Häuser für Forschungszwecke?
Passivhäuser gibt es seit 1991. Der Prototyp dieses Baustandards steht in Darmstadt. Mittlerweile sind in Europa über 50.000 Wohneinheiten bewohnt. In Österreich genießen seit 18 Jahren die ersten Passivhaus-Bewohner in Eigenheimen, Reihen- und Mehrfamilienhäusern höchsten Wohnkomfort. 2013 existieren in Österreich bereits über 15.000 Passivhäuser. Die Vermarktung geht jetzt in die Breite, so dass Passivhäuser von zahlreichen Bauträgern und Fertighausherstellern angeboten werden. Nach den durchweg positiven Erfahrungen mehrerer Passivhaus-Siedlungen kommt jetzt bereits die dritte Generation der Passivhäuser. Die Pionierarbeit ist inzwischen geleistet und der Passivhaus-Standard ausreichend getestet.

Wer kann ein Passivhaus bauen?
Eigentlich jeder engagierte Architekt zusammen mit einem Haustechnikplaner. Natürlich ist es von großem Vorteil, wenn die Beteiligten bereits Passivhäuser realisiert haben oder sich durch entsprechende Kurse zum Passivhaus-Standard weitergebildet haben. Die Mitglieder der Passivhaus Austria unterliegen auch einer Qualifizierung, um die Qualitätsstandards zu sichern.  Die Erfahrung zeigt, dass es sich beim Passivhaus-Standard um sehr „gutmütige„ Gebäude handelt. Werden die Grundsätze eingehalten, funktioniert ein Passivhaus problemlos. Dieser Standard beinhaltet „nur„ die konsequente Weiterentwicklung von Komponenten, die bereits jahrelang im Niedrigenergiehaus erfolgreich eingesetzt wurden und werden. Hilfreich bei der Planung sind die Fachliteratur und das PHPP.

Wieso gilt das Passivhaus als “open source” – wo es doch zugleich eine vertraglich vereinbarte Zertifizierung gibt?
Das Passivhaus ist ein frei zugängliches Konzept. Niemand braucht eine spezielle Erlaubnis oder ein Zertifikat, um ein Passivhaus zu bauen (über die für jedes Haus evtl. erforderliche Baugenehmigung hinaus). Versuche von Dritten, „Passivhaus“ als Marke zu schützen und zu einem „proprietären Standard“ zu machen, wurden vom Passivhaus Institut (PHI) in der Vergangenheit immer erfolgreich abgewehrt, weil es sich bei „Passivhaus“ um einen Gattungsbegriff handelt. Dies wurde, manchmal erst nach Diskussionen, auch von den Patentämtern genau so gesehen – zumal die grundlegenden Arbeiten dazu seit 1993 publiziert und für jedermann zugänglich sind.
Die Zertifizierung als „qualitätsgeprüftes Passivhaus“ (mit der PHI-Marke) ist ein Angebot des PHI. Niemand „muss“ sein Passivhaus zertifizieren. Da es sich aber für viele Planer, Bauträger und Ausführende um wirklich neue Anforderungen handelt, ist das Zertifikat ein guter Weg, sicher zu stellen, dass diese Anforderungen auch erfüllt werden. Das Vertrauen zwischen Anbieter und Käufer wird dadurch gefestigt. Außerdem spart eine gute Qualitätssicherung beim Planungsprozess oft viel Geld ein. Das PHI steht mit seiner Reputation hinter dieser Zertifizierung – die PHI-Kennzeichnung ist daher auch eine geschützte Marke. Nur durch das PHI anerkannte Zertifizierungsstellen dürfen diese Kennzeichnung verwenden. (siehe www.passiv.de /Zertifizierung/Weitere Zertifizierer).

Worin bestehen – für den normalen Bauherren erkenn- und begreifbar – die Unterschiede zwischen Niedrigenergiehaus und Passivhaus?
Das Passivhaus ist ein extrem gutes Niedrigenergiehaus – so gut gedämmt, dass die Komfortlüftung die Heizung mitübernehmen kann. Deshalb benötigt das Passivhaus im Gegensatz zum Niedrigenergiehaus keine Heizkörper mehr. Rein äußerlich scheinen die Unterschiede nicht sehr groß zu sein – aber beim Wohnen im Passivhaus werden der spürbar bessere Komfort und die extrem geringen Heizkosten erfahrbar.