Faktencheck Passivhaus - Seit 25 Jahren die kostengünstige Lösung der Zukunft

Faktencheck Passivhaus - Seit 25 Jahren die kostengünstige Lösung der Zukunft

Bei der UN-Klimakonferenz COP22 in Marrakesch wurde wieder deutlich, dass entschiedene Maßnahmen gegen den Klimawandel getroffen werden müssen. Dabei fiel ein Schwerpunkt auf den Gebäudesektor, wo besonders hohe Einsparungen erzielt werden können. Als konkrete Lösung wurde hierfür das Passivhaus genannt. Auch abseits der UNO sprechen sich immer mehr Experten für das Passivhaus aus und widerlegen weit verbreitete Vorurteile.

Um die derzeit prognostizierte Klimaerwärmung von + 3,4°C auf die überlebensnotwendigen + 1,5°C zu reduzieren, hat die UNEP einen Maßnahmenkatalog mit ihrem "The Emissions Gap Report 2016" auf der UN-Klimakonferenz COP22 in Marrakesch vorgestellt. Unter den drei Schlüsselsektoren zur Zielerreichung des ambitionierten Pariser Klimaabkommens hat der Gebäudesektor erhebliche Reduktionspotentiale an CO2-Emissionen. Hierbei wird hervorgehoben, dass die derzeit geplanten künftigen Gebäudestandards nicht ausreichen und vielmehr der Passivhaus-Standard besonders kostengünstige und praxistaugliche Lösungen bietet, die Klimaerwärmung nachhaltig einzubremsen.

Energieeffizienz hat keinen Einfluss auf Baukosten
Auch eine Studie im Auftrag der Hamburger Behörde für Umwelt und Energie zeigt: Energetische Standards im geförderten Wohnungsbau sind entgegen der breiten Meinung kein Preistreiber bei den Baukosten. Mit der seit Oktober 2016 vorliegenden wissenschaftlichen Untersuchung von 4.780 Wohnungen im geförderten Wohnbau in Hamburg wird deutlich, dass es keinen signifikanten statistischen Zusammenhang zwischen Baukosten und energetischen Kenngrößen gibt. Demnach weisen die Passivhäuser sogar die geringsten Baukosten auf.

Auswertung der Baukosten in Hamburg nach Effizienzhausklassen in €/m²; Quelle: IFB Hamburg 2016

Damit wird eine Studie der BOKU Wien bestätigt. Schon 2010 kamen die BOKU Wien und Kollegen im Rahmen der Wiener Wohnbauforschung zu nahezu den gleichen Ergebnissen für den großvolumigen Wiener Wohnbau. Es zeigte sich, dass unter den geförderten sozialen Wohnbauten in Wien kein signifikanter Preisunterschied zwischen Niedrigenergie- und Passivhaus-Standard feststellbar ist.

Faktencheck Energiewende stellt klar Fakten vor Mythen
Eine Reihe internationaler und nationaler Untersuchungen belegt: Energieeffizienzmaßnahmen bringen auch tatsächliche Einsparungen. So verdeutlichte 2013 eine Studie der Deutschen Energieagentur dena, dass die tatsächliche Energieeinsparung in sanierten Gebäuden im Durchschnitt bei 76% liegt, also nahe der angestrebten 80%. Eine wichtige Voraussetzung für das Funktionieren von energieeffizienten Maßnahmen bei Neubau wie bei Sanierung ist eine fachlich korrekte Planung und Umsetzung bzw. entsprechende Ambition. Die Erfahrungen aus den vom Klima- und Energiefonds geförderten Mustersanierungen und vielen Best-Practice-Beispielen in Österreich, zeigen die Machbarkeit von Energieeffizienzmaßnahmen bei sehr unterschiedlichen Gebäudetypen.

Besonders deutlich geht aus der nachstehenden Grafik hervor, dass jene Objekte mit 90 und mehr Prozent Energieeinsparung auch am besten zwischen Berechnung und tatsächlichem Verbrauch übereinstimmen, während der Großteil der energetisch schlechteren Sanierungen auch eine sehr hohe Diskrepanz zwischen Wunsch und Realität aufweisen. „Dies beweist einmal mehr, dass es sich auszahlt, auf Passivhaus-Standard mit über 90 Prozent Energieeinsparung zu sanieren und dabei das exakt rechnende Bemessungsprogramm PHPP PassivhausProjektierungsPaket zu Grunde zu legen“, betont Günter Lang, Leiter der Passivhaus Austria.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass bei den Tagen des Passivhauses 2016 wieder 120 begeisterte Passivhaus-Besitzer in ganz Österreich vom Einfamilienhaus bis zum Gemeindezentrum ihre Häuser den Besuchern gerne zeigten und Fragen beantworteten, wie zum Beispiel im zum Passivhaus sanierten Energie Plus Haus Weber in Kärnten.

Experten sprechen sich klar für das Passivhaus aus
Dass am Passivhaus zum Erreichen der Klimaschutzziele kein Weg vorbei führt, macht auch die Konsultierung der Energie- und Klimastrategie Österreich deutlich. Eine Auswertung der online-Konsultierung zeigt, dass bei nur zwei Gegenstimmen das Passivhaus mit überwältigender Mehrheit 86 Mal als künftiger allgemeiner Gebäudestandard genannt wurde. An zweiter Stelle steht mit nur 24 Nennungen das Niedrigenergiehaus, 20 Mal Plusenergiehaus und 18 Mal Niedrigstenergiehaus (siehe Titelfoto).

In Tirol werden heute bereits 70 Prozent aller sozial geförderten Wohnbauten in Passivhaus-Standard errichtet. „Wir müssen jetzt einen sozial verträglichen Lebensstandard für heutige und künftige Generationen unter Bewahrung der Ressourcen und Schonung der Umwelt nachhaltig sichern. In Übereinstimmung mit den Vorgaben des „Nearly Zero Energy Buildings“ der Europäischen Gebäuderichtlinie, ist der Passivhaus-Standard in Österreich als allgemeiner Standard im Neubau zu etablieren. Bei der umfassenden energetischen Sanierung der Nachkriegsbauten sind die Einsparpotential zwischen 80 und 95 Prozent zu nutzen“, fordert Lang die Regierung zum raschen Handeln auf. Es sei nun ein Gebot der Stunde Klimaschutz, soziale Verantwortung, Energieunabhängigkeit, leistbares Wohnen, Wohnkomfort und Wirtschaftsankurbelung gemeinsam auf den größten gemeinsamen Nenner zu bringen. Das Passivhaus bietet dafür die allerbesten Voraussetzungen, seit 25 Jahren.

Dienstag, 6 Dezember, 2016