Energieeffizienz als größte Energiequelle behandeln

Energieeffizienz als größte Energiequelle behandeln

Die Europäische Kommission hat am 25. Februar ihren mit Spannung erwarteten Vorschlag zur Energieunion präsentiert. Darin schlägt sie ihre Prioritäten in der EU Energie- und Klimapolitik für die nächsten zwei Jahre vor. Dabei soll die engere Zusammenarbeit von EU-Staaten bei Energiefragen gefördert werden. Energieunion bedeute für die Kommission unter anderem, "Energieeffizienz grundlegend zu überdenken und als eigenständige Energiequelle zu behandeln, damit sie gleichberechtigt mit Erzeugungskapazität konkurrieren kann".

Die Wärme- und Kälteerzeugung ist nach wie vor der Einzelbereich mit dem höchsten Energiebedarf in Europa. Die Kommission wird daher eine Überprüfung der Energieeffizienz-Richtlinie und der Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden vornehmen, um den geeigneten Rahmen für weitere Fortschritte bei der Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden zu schaffen. Basierend auf den konkreten Erfahrungen der Mitgliedstaaten wird die Kommission Mechanismen für die Erleichterung des Zugangs zu vorhandenen Finanzmitteln unterstützen, damit der Gebäudebestand energieeffizienter wird. Investitionen in die Energieeffizienz von Gebäuden gehören heute zu den lohnendsten Maßnahmen dieser Art für Bürger und Unternehmen.

Schema der Energieunion; Credits: Europäische Kommission
Schema der Energieunion; Credits: Europäische Kommission

 

40% Energieeinsparungen bis 2030 sind ökonomisch sinnvoll
„Die Vorschläge sind gute Vorsätze, es fehlen aber die konkreten Maßnahmen“, analysiert Günter Lang, Leiter der Passivhaus Austria. Die Energieeffizienz-Richtlinie war hier schon einmal weiter. Eine weitere Präzisierung und Verschärfung dieser, könnte rasche Erfolge erzielen. So gehe aber lediglich viel Zeit und Energie verloren, bis konkrete Gesetze beschlossen sind und der Bausektor reagiert, folgert Lang. Die derzeitige Zielvorgabe von 27% Energieeinsparungen bis 2030 sei hingegen kein guter Vorsatz.

„Hier ist bei weitem viel mehr möglich und 40% Energieeinsparungen bis 2030 dringend erforderlich, will man das Pferd nicht von hinten auf zäunen. Es ist entscheidend, jeweils zuerst die Effizienzpotentiale voll auszunutzen, bevor daran gedacht wird, wie die Energie erzeugt, gespeichert und transportiert werden soll. Erst so lässt sich eine konsequente Energiewende kostengünstig und im Einklang mit der Bevölkerung erfolgreich umsetzen“, unterstreicht Lang die Bedeutung der Energieeffizienz.

"Dieser Anspruch (der Energieunion, Anm.) müsse nun aber durch Maßnahmen begleitet werden", stößt Roland Jöbstl, Policy Officer für Klima und Energie des European Environmental Bureau (EEB), ins selbe Horn. Stattdessen gebe es aber eine fast obsessive Suche nach neuen Gaslieferanten. Eine erfolgreiche Energieunion erfordere aber, dass man Energieeffizienz an erste Stelle stellt und das verbindliche Energieeffizienz-Ziel in Höhe von 40% bis 2030 konsequent verfolgt, betont Jöbstl. "Die Energieeffizienzrichtlinie, die Gebäude- und Energieverbrauchskennzeichnung sowie die Ökodesign-Richtlinie sind großartige Beispiele für erfolgreiche Maßnahmen auf EU-Ebene. Aber die Kommission muss nun klar und deutlich sagen, dass sie diese Instrumente stärken will, um weitere Einsparungen beim Energieverbrauch und bei Treibhausgasemissionen zu erreichen."

Walter Saurer, Energiesprecher von Greenpeace in Österreich ergänzt: "Die Energieunion bietet jetzt die Chance, den Ausbau der erneuerbaren Energien und Energieeffizienz weiter voranzutreiben und die Energieabhängigkeit Europas zu reduzieren. Österreich muss diese Chance ergreifen und zusammen mit anderen Ländern wie Deutschland und Dänemark Allianzen schmieden um erneuerbare Energien und Effizienzmaßnahmen als Kerntechnologien im Rahmen der Energieunion zu implementieren".

Sauer warnt vor faulen Kompromissen: "Die vorgeschlagene gleichrangige Behandlung von Schiefergasförderung mit erneuerbaren Energien ist völlig inakzeptabel. Dasselbe gilt für den von einigen Ländern zur Forcierung von Atomenergie geforderten, sogenannten neutralen Technologieansatz zur Erreichung der Klimaschutzziele."

 

Europa durch Energieeffizienz unabhängig von Energieimporten machen
53 Prozent der benötigten Energie wurden 2014 um 400 Milliarden Euro in die EU importiert. Die EU ist damit der größte Energie-Importeuer weltweit und abhängig von außereuropäischem Gas und Öl. Dänemark zeigt vor, wie es möglich ist, von diesen Energieimporten unabhängig zu werden. So haben die Dänen nicht nur massiv die Windkraft ausgebaut, sondern setzen auch klar auf Energieeffizienz. Im Rahmen der Europäischen Gebäude-Richtlinie EBPD war bis 2014 von jeder Nation das „Nearly Zero Energy Building“ NZEB zu definieren, welches ab 2020 in ganz Europa zum Mindeststandard wird. Während die Dänen das NZEB mit einem max. Primärenergiebedarf von 60 kWh/m²a (inklusive Haushaltsstrom) festgelegt haben, konnte sich die österreichische Politik mit 160 kWh/m²a nur auf einen zweieinhalb Mal so hohen Primärenergiebedarf durchringen.

Mit dem europäischen Energiewende Masterplan haben Prof. Dr. Wolfgang Feist und Prof. Dr. Dr. h.c. Ernst Ulrich von Weizsäcker bereits 2012 bei der 16. Internationalen Passivhaustagung aufgezeigt, wie Europa durch Energieeffizienz unabhängig von Energieimporten werden kann. In ihren damaligen Keynotes unterstrichen sie die weltweite Dringlichkeit zur Verfünffachung der Ressourcenproduktivität, wollen wir langfristig sieben Milliarden Menschen auf diesem Planeten sozial verträglich versorgen. „Das Passivhaus erlaubt sogar einen Faktor 10, ist also eine fantastische Innovation und heute bereits absolut rentabel“, unterstrich Weizsäcker die globale Bedeutung des Passivhaus-Standards.

 

Hier finden Sie die offiziellen Dokumente zur Energieunion

 

Montag, 2 März, 2015