Deutschland feiert 10 Jahre "Tage des Passivhauses"

Wirtschaftlich, nachhaltig und komfortabel – von den Vorzügen eines Passivhauses kann sich an diesem Wochenende jeder selbst überzeugen. Anlässlich der "10. Tage des Passivhauses" öffnen weltweit hunderte beispielhafte Exemplare des energieeffizienten Baustandards die Türen – Experten zeigen, wie es funktioniert, Bewohner geben ihre Erfahrungen weiter. Das Jubiläum der vor zehn Jahren von dem Netzwerk IG Passivhaus Deutschland ins Leben gerufenen Aktion wurde am (heutigen) Freitag in Wiesbaden gefeiert – im Passivhaus-Büro von "A-Z Architekten", das seit den ersten "Tagen des Passivhauses" im Jahr 2004 jedes Mal dabei gewesen ist.

Der Wiesbadener Bürgermeister Arno Goßmann würdigte zum offiziellen Auftakt der bundesweiten Aktion die Potenziale des Passivhaus-Standards für mehr Energieeffizienz im Gebäudebereich. "Energieeffizienzmaßnahmen an Gebäuden sind für unsere Klimaschutzziele wichtig. Dass sich die Bürgerinnen und Bürger beim ‚10. Tag des Passivhauses‘ hautnah ein Bild von energieeffizienten Wohnbeispielen machen können, ermöglicht den Blick in die Praxis. Diese Beispiele finden hoffentlich auch in Wiesbaden zahlreiche Nachahmer", sagte Goßmann bei einem Presse-Termin in der hessischen Landeshauptstadt.

Das Bundesland Hessen zählt seit vielen Jahren zu den Vorreitern im Bereich des energieeffizienten Bauens. In Darmstadt wurde 1991 das weltweit erste Passivhaus gebaut. Frankfurt am Main setzte 2007 mit einem Passivhaus-Beschluss für alle öffentlichen Neubauten Maßstäbe. Vom Hessischen Ministerium der Finanzen erläuterte Hans-Günter Göddemeyer am Freitag die Pläne einer CO₂-neutralen Landesverwaltung sowie die Besonderheiten beim Passivhaus-Anbau für das Finanzministerium selbst.

"Der Erweiterungsbau des Ministeriums ist ein gutes Beispiel für die ökonomische wie ökologische Nachhaltigkeit, die mit dem Passivhaus erreicht wird", lobte Wolfgang Hasper vom Darmstädter Passivhaus Institut. Bei höchstem thermischem Komfort für die Nutzer werden durch die Reduzierung des Heizenergiebedarfs auf ein Minimum sowohl die Energieverbrauchskosten gesenkt als auch die Emissionen des zur Klimaerwärmung beitragenden CO2.

Insgesamt haben mehr als 500 Gebäude an den "10. Tagen des Passivhauses" vom 8. bis 10. November 2013 weltweit ihre Türen geöffnet. "Der Erfolg der Aktion ist natürlich vor allem den vielen überzeugten Passivhaus-Bewohnern zu verdanken, die sich Jahr für Jahr beteiligen", sagte Sabine Stillfried, Leiterin der IG Passivhaus Deutschland. Die Vorzüge des Passivhauses seien zwar gut dokumentiert, aber das Gespräch mit Nutzern, die es aus eigener Erfahrung wüssten, überzeuge oft mehr als jede Studie.

Auch Holger Zimmer, Mitbegründer von A-Z Architekten, zeigte am Freitag bei einer Führung anschaulich die Besonderheiten des energieeffizienten Baustandards – von der Wärmedämmung über eine dreifach verglaste Fensterfront bis hin zur Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung. Das eigene Büro war 2001 das erste als Passivhaus errichtete Wohn- und Geschäftsgebäude. Der Neubau in der Innenstadt von Wiesbaden erhielt im Jahr 2003 zudem eine Anerkennung beim renommierten Deutschen Architekturpreis.

Etwa 85 Prozent der Heizenergie werden beim Passivhaus gegenüber herkömmlichen Gebäuden eingespart. Zusätzliche Investitionen in der Bauphase sind durch die äußerst geringen Betriebskosten innerhalb weniger Jahre ausgeglichen – und auch in den Jahren danach machen sich die monatlichen Einsparungen natürlich in der Haushaltskasse positiv bemerkbar. Das Prinzip funktioniert beim Neubau wie bei der Sanierung von Altbauten und bei praktisch jeder Gebäudeart – ob Einfamilienhaus, Schule oder Büroturm. Eine Übersicht der Gebäude, die an den "Tagen des Passivhauses" in einzelnen Städten und Regionen geöffnet sind, bietet die Internet-Seite www.passivhaus-datenbank.org