Das waren die Tage des Passivhauses 2016

Das waren die Tage des Passivhauses 2016

Von 11. bis 13. November 2016 wurden in ganz Österreich wieder die "Tage des Passivhauses" veranstaltet. In 120 Passivhäusern beantworteten die Bewohner Fragen der über 2.000 Besucher in persönlichen Gesprächen, beschrieben das eigene Wohngefühl und zeigten die Vorteile ihres Heims auf. 31 Besichtigungsobjekte waren PHI-zertifizierte Passivhäuser. Gleich 9 Objekte waren Hotels und Ferienwohnungen bei deren touristischen Nutzung übers ganze Jahr die Botschaft des Passivhauses ausgezeichnet transportiert wird.

Weltweit registrierten sich 383 Besichtigungsobjekte in 27 Nationen auf 4 Kontinenten. Tatsächlich nahmen aber wieder rund 700 Passivhaus-Objekte teil, die zu einem Drittel jedoch nur regional erfasst wurden. So lagen beispielsweise aus Frankreich, Tschechien und der Slowakei diesmal keine offiziellen Nennungen vor. Österreich konnte mit 120 Objekten die größte Beteiligung seit 8 Jahren verzeichnen, womit fast gleichviel Objekte wie in Deutschland  mit 135 Objekten zu besichtigen waren. Mit größerem Abstand an dritter Stelle folgte Großbritannien mit 26 Passivhäusern, Italien mit 17 und USA mit 16 Objekten, Kanada mit 11 und Spanien mit 9 Passivhäusern. Aus Übersee nahmen diesmal Passivhäuser in Japan, China, Südkorea, Indonesien, Chile, Neuseeland und Australien teil, wo Interessierte Informationen über den Passivhaus-Standard in unterschiedlichsten Klimazonen bekamen. Zum ersten Mal nahm die Türkei mit der Sanierung zu einem Passivhaus in Gaziantep, unweit von Aleppo, teil.

Großes Interesse am Passivhaus von Studenten – es geht um ihre Zukunft
Der Großraum Wien war wieder mit 32 Besichtigungsobjekten der weltweite Passivhaus-Hotspot im Rahmen der Tage des Passivhauses. Exkursionen mit Teilnehmern aus Österreich, aber auch aus ganz Europa, wie z.B. Gruppen aus Finnland, Frankreich, Ungarn und Tschechien zu Besichtigungsobjekten in Österreich fanden statt. Auch je eine Studentengruppe von der BOKU Wien, der TU Wien, FH Technikum Wien, sowie der HTL Innsbruck nutzte die Gelegenheit.

Studenten bestiegen sogar das Dach, um einen Überblick über eine der größten Passivhaus-Wohnanlagen Wiens zu haben. Auch das Boutiquehotel Stadthalle in Wien wurde genau unter die Lupe genommen, ebenso wie das herausragende Beispiel des Universitäts-Hochhauses der TU Wien am Getreidemarkt, welches dank Passivhaus-Qualität zum Plusenergiegebäude saniert wurde. In Innsbruck zeigten sich die Schüler der HTL Innsbruck wie Professoren gleichermaßen von der hohen Qualität und hervorragenden Frischluft des auf EnerPHit-Standard sanierten Universitätsgebäudes der Baufakultät Innsbruck begeistert, was somit künftige Höchstleistungen von den Studierenden erwarten lässt.

Passivhäuser sind vor allem Komfort pur – wie immer wieder bestätigt wurde
Die Bewohner von 27 Einfamilienhäusern informierten über ihre persönlichen Wohnerfahrungen. Ohne viele Worte war gleich der Lieblingsplatz des jungen Passivhaus-Bewohners ersichtlich, der die große Fensterfront ohne lästige Heizkörper oder Kaltluftfall schnell als idealen behaglichen Spielplatz für sich in Anspruch genommen hat. Allergiker berichteten, endlich wieder aufatmen zu können, da die Luftqualität deutlich besser als in konventionellen Gebäuden ist. Ebenso ist Schimmelbildung praktisch ausgeschlossen. Und wieder wurde bejaht, dass auch in einem Passivhaus die Fenster geöffnet werden können.

In Wiens erster Sanierung einer Einzelwohnung auf Passivhaus-Standard innerhalb eines Eigentums-Mehrfamilienhauses erläuterte Gastgeber Robert Schild detailgenau die wärmebrückenfreie Umsetzung mit Innendämmung und praktizierte mit ihnen gemeinsam den Filterwechsel. So konnten Vorurteile und Bedenken durch sachliche, auf Basis praktischer Erfahrungen, messtechnischer Untersuchungen und validierter Bewohner-Befragungen ausgeräumt werden. Die Gespräche mit den Bewohnern der Passivhäuser waren der wichtigste Faktor. Sie konnten zum Teil aus mehr als fünfzehnjähriger Erfahrung berichten und überzeugen. Immer wieder begeisterten der hohe Komfort und die gute Luftqualität dieses energieeffizienten Baustandards.

Hotels und Ferienwohnungen punkten besonders mit dem Passivhaus-Komfort
Neben dem Boutiquehotel Stadthalle in Wien, hatten eine ganze Reihe weiterer Hotels und Ferienwohnungen ihre Türen geöffnet. So auch wieder das Explorer Hotel im Montafon, die auch ihr nächstes Explorer Hotel Kitzbühel in St. Johann in Tirol als zertifiziertes Passivhaus eröffneten. Die Explorer Hotel Gruppe will bis zum Jahr 2020 ganze 20 Hotels in Passivhaus-Standard errichtet haben. Das Hotel Edelweiss mit Schwimmbad in Wagrain ebenso wie das Kolpinghaus ECO Suite Hotel Salzburg. Die herberge als Ferienwohnungen im Kleinwalsertal, die Ferienappartments Höflach in der Steiermark und das Energie Plus Haus Weber in Hermagor. Und auch der Sonnenplatz Großschönau luden gleich zum Übernachten ein, um diesen Komfortunterschied selbst erleben zu können.

So berichtete Arch. Ronacher als Betreiber des Energie Plus Hauses Weber, die interessierten Personen konnten bei der Führung genauere Informationen über die Sanierung eines alten Buchsteinmauerwerkes durch 30-40 cm Innendämmung auf Passivhaus-Standard erhalten. Außerordentlich bestaunt wurde auch, dass die Zuluft der kontrollierten Wohnraumlüftung über Zirbenholzkanäle geführt wird. Im Zuge der touristischen Nutzung mit Ferienwohnungen über das ganze Jahr, kann über aufliegende Broschüren die Botschaft des Passivhauses – im Speziellen die Möglichkeit der Sanierung von Altbestand auf Passivhaus – ausgezeichnet transportiert werden. Insgesamt verzeichnet das Gebäude eine Nächtigungszahl von ca. 1.000 pro Jahr.

Auch viele Wohnbauträger haben mittlerweile erkannt, welch umfangreiche Vorteile ihnen und ihren Kunden der Passivhaus-Standard bietet. Allen voran die Neue Heimat Tirol, welche alle ihre sozialen Wohnbauten kostengünstig in Passivhaus-Standard errichtet, mittlerweile 3.000 Wohnung bereits bewohnt und 900 in Bau. So war auch das weltweit erste Mehrfamilienhaus in zertifiziertem Passivhaus Plus Standard zu besichtigen. Die Alpenländische Heimstätte zeigte ihre Wohnanlage in Reutte den Interessenten und in Wien waren die erste Passivhaussiedlung EUROGATE, sowie die Siedlung Mautner Markhofgründe im Rundgang zu besichtigen. Besonders stolz war Morscher Bauträger über seine beiden eben zertifizierten Passivhaus Plus Mehrfamilien-Wohnhäuser in Langenegg und eine weitere Wohnanlage in Doren in Vorarlberg.

Nachhaltig ernähren beim Lebensmittelhandel in Passivhaus-Standard
Wie schon die letzten Male war die Supermarktkette MPreis wieder mit dabei. Diesmal gleich mit vier zertifizierten Passivhaus-Märkten. Unmittelbar vor den Tagen des Passivhauses erhielten sie auch die europäische Auszeichnung „Europe’s finest store“. Ebenso beteiligte sich wieder der Biohof Achleitner in Eferding. Im Burgenland konnten sich in St. Andrä am Zicksee bei AllesApfel die Besucher neben der Gebäudebesichtigung auch mit frischen Äpfeln stärken. Erstmals dabei war die Fa. Sonnentor Kräuter Handles GmbH in Sprögnitz.

In Pörtschach konnten sich wiederum Besucher im Passivhaus-Café laben und Gemeindezentren, wie z.B. In Brand, Lorüns, Ludesch oder St. Gerold luden ebenso wie die Pfarre in Krumbach und die Franziskus-Kirche in Wels zum Besuch ein – alles Bauten in Passivhaus-Standard. Im ChristophorusHaus in Stadl Paura konnte man aus erster Hand erfahren, wie es sich in einem Passivhaus arbeitet. Im Verwaltungsgebäude von Windkraft Simonsfeld in Ernstbrunn wurde zu den Tagen des Passivhauses die Unterstützung von Energieprojekten in Uganda und Nicuragua besiegelt.

Sanierungen zum Passivhaus oder EnerPHit-Standard waren Highlights
Jedes sechste Objekt war eine Altbausanierung auf EnerPHit- oder Passivhaus-Standard. Zwölf der neunzehn Sanierungen haben auch eine Photovoltaikanlage für die solare Energieversorgung. Alle Sanierungsobjekte vereint eine Energieeffizienzsteigerung von 90 bis 97 Prozent. Die Bewohner und Nutzer sind begeistert vom erheblich verbesserten Komfort und der guten Luftqualität. Davon konnten sich auch 2016 wieder die über 2.000 Besucher selbst überzeugen. Das Passivhaus muss man eben mit allen Sinnen erleben um wirklich die Vielzahl der Vorzüge zu begreifen.

Die "Tage des Passivhauses" sind eine Initiative der Netzwerke iPHA (International Passive House Association), Passivhaus Austria und weitere internationale Partner.


 

Mittwoch, 21 Dezember, 2016