Bei COP23 geht’s auch ums Passivhaus

Bei COP23 geht’s auch ums Passivhaus

Die Weltklimakonferenz in Bonn ist ein weltweit beachtetes Ereignis. Immerhin geht es um den globalen Klimaschutz. Die UN benennt ausdrücklich Passivhäuser als eine Möglichkeit, im Gebäudebereich eine deutliche Energieeinsparung zu erreichen. Auch das Passivhaus Institut aus Darmstadt ist bei der COP23 in Bonn vor Ort. Zudem besucht eine Delegation während der UN-Konferenz ein neues Studentenwohnheim im Passivhaus-Standard.

Da zeitgleich zur Klimakonferenz die Tage der offenen Tür im Passivhaus statt finden, hat auch jeder Interessent die Möglichkeit, dieses Bonner Studentenwohnheim zu besuchen.

Treffen der 193 Vertragsstaaten
Bis zu 25.000 Teilnehmende aus allen Ländern der Welt werden bis zum 17. November zu der Konferenz in Bonn erwartet. Dazu mehrere hundert Nicht-Regierungsorganisationen sowie Journalisten aus den 193 Vertragsstaaten. Unter der offiziellen Präsidentschaft der Fidschi-Inseln kommen die Vertragsstaaten zwölf Tage lang zusammen, um Richtlinien zur Umsetzung des Klimaschutzabkommens von Paris zu entwickeln. Diese Richtlinien sollen bei der Klimakonferenz 2018 in Polen verabschiedet werden.

Gebäude müssen energieeffizienter werden
Zudem findet ein umfangreiches Begleitprogramm zur COP23 statt. Dabei soll auch die Bedeutung von Klimaaktivitäten nicht-staatlicher Akteure hervorgehoben werden. Aufgrund des geringen Energiebedarfs benannte das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) bereits im „Emissions Gap Report 2016“ ausdrücklich Passivhäuser als eine Möglichkeit, die Energieeffizienz von Gebäuden zu erhöhen und dadurch die Erderwärmung zu vermindern.

Passivhaus Institut schon in Paris und Marrakesch dabei
Wie schon bei vergangenen Klimakonferenzen in Paris und Marrakesch ist das Passivhaus Institut auch bei der COP23 in Bonn vor Ort, um sich für den Klimaschutz im Gebäudesektor einzusetzen. Schon heute erfüllen Passivhäuser die Anforderungen der Europäischen Gebäuderichtlinie, die ab 2020 für alle neuen Gebäude einen Niedrigstenergiestandard vorschreibt.

Neue Partnerschaften
„Die COP ist eine gute Möglichkeit, den Passivhaus-Standard und seine weltweite Anwendung bekannt zu machen. Es gibt viele positive Beispiele für Passivhäuser, im Wohnbau und Nichtwohnungsbau, von sehr kaltem bis zu sehr warmem Klima. Dazu gehört auch das erste Passivhaus in Dubai. Darüber hinaus entstehen bei der COP immer neue Partnerschaften, die zu Pilotprojekten führen. In Marokko haben wir ein solches Projekt mit der GIZ gestartet“, erklärt Camille Sifferlen. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin vertritt das Passivhaus Institut in Bonn.

Delegation besucht Bonner Studentenwohnheim
Wie der Passivhaus-Standard in der Praxis aussieht, das schaut sich eine internationale Delegation der Global Alliance for Building and Construction (GABC) während der Klimakonferenz an. Die Bundesarchitektenkammer (BAK) lädt die Gruppe dazu ein, besondere Beispiele nachhaltiger Architektur zu besichtigen, darunter das neue Passivhaus-Studentenwohnheim 42! in Bonn. Die Auftraggeber verwirklichten zusammen mit dem Architekten Kay Künzel ein Studentenwohnheim mit insgesamt 32 Apartments, das Ökologie und Wirtschaftlichkeit eng miteinander verbindet.

Projekte in Bonn und Dubai im Rennen
Das Bonner Studentenwohnheim sowie das Mohammed Bin Rashid Space Center (MBRSC) in Dubai sind als Leuchtturmprojekte des nachhaltigen Bauens für einen Green Solutions Award 2017 nominiert. Der Preis wird im Rahmen der COP23 vergeben und zeichnet Projekte aus, die zur Einhaltung des Zwei-Grad- Ziels beitragen und die Lebensbedingungen der Nutzer verbessern.

Studentenwohnheim für jedermann geöffnet
Zeitgleich zur COP23 in Bonn finden vom 10. bis 12. November 2017 die Tage der offenen Tür im Passivhaus statt. Weltweit laden mehrere hundert Bewohner, in Österreich alleine 120, jeden Interessenten dazu ein, den äußerst energieeffizienten Passivhaus-Standard sowie den damit verbundenen besseren Wohnkomfort selbst zu erleben. In der Projektdatenbank des Passivhaus Instituts sind alle Gebäude aufgelistet, die besichtigt werden können. Auch das Studentenwohnheim 42! in Bonn ist dort unter der ID 5449 aufgeführt. Am Freitag, 10. November 2017 ist das beeindruckende Projekt zwischen 11 und 16 Uhr  für jedermann für eine Besichtigung geöffnet. www.passivhausprojekte.de

Vorreiter Volksrepublik
Auch in China sind während der Tage der offenen Tür Passivhaus-Projekte geöffnet. In der Volksrepublik, seit 1945 Mitgliedsstaat der Vereinten Nationen, liegt energieeffizientes Bauen hoch im Kurs. „Die Regierung und die Akteure am Bau, insbesondere Projektentwickler, haben erkannt, dass qualitätsbewusstes  und energieeffizientes Bauen extrem wichtig sind, um wirkungsvoll den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Das lohnt sich gerade in China wegen der vielen Siedlungen, die hier demnächst entstehen“, erläutert Dr. Berthold Kaufmann vom Passivhaus Institut.

Wohnfläche: 330.000 Quadratmeter!
Zwei Großprojekte ziehen derzeit in China besondere Aufmerksamkeit auf sich. In Qingdao im Osten Chinas entsteht aktuell eine große Passivhaus-Siedlung. Ebenfalls im Passivhaus-Standard wird in Gaobedian in der Provinz Hebei südlich von Peking gebaut. Dort werden insgesamt über 37 Gebäude im Passivhaus-Standard errichtet, darunter 10 Hochhäuser, mehrere Einfamilienhäuser sowie ein Kindergarten. Die geplante Wohnfläche beträgt insgesamt 330.000 Quadratmeter.

Museum setzt außen und innen aufs Passivhaus
Bei der Eröffnung des Longfor Orient Sunda Passivhaus-Museums auf demselben Gelände im Herbst dieses Jahres war auch der Gründer des Passivhaus Instituts, Prof. Wolfgang Feist, vor Ort. Das Museum, selbst ein Passivhaus, befasst sich auch in seiner Ausstellung mit diesem energieeffizienten Gebäudestandard. Multimedial können die Besucher die Themen Energieeinsparung sowie gesundes und komfortables Innenraumklima erleben, darunter im Video „Passivhaus in 90 Sekunden“ auf Chinesisch.

Titelfoto: Klimakonferenz COP23 in Bonn; Fotocredits: BMUB/Dominik Ketz

Montag, 6 November, 2017