Auszeichnung für Weltklasse-Architektur im Passivhaus-Standard

Passive House Award 2014

Energieeffizientes Bauen ist nicht nur wirtschaftlich, sondern zugleich eine Bereicherung für die Architektur – das zeigen die Gewinner des Passive House Awards 2014. Sechs Gebäude und eine Region wurden zum Auftakt der Internationalen Passivhaustagung 2014 in Aachen ausgezeichnet: ein Mehrfamilienhaus in Berlin, ein Sanierungsprojekt in New York, ein Seminargebäude in Südkorea, das Kunstmuseum Ravensburg, ein Gebäude-Ensemble in Finnland, ein Reihenhaus in Philadelphia und der Passivhaus-Stadtteil Bahnstadt in Heidelberg.

„Am Beispiel der Preisträger wird deutlich, dass auf der ganzen Welt gestalterisch herausragende Projekte im Passivhaus-Standard entstehen“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Feist, Leiter des Passivhaus Instituts. Energieeffizientes Bauen und Sanieren setze vielfach sehr positive ästhetische Akzente – und sei praktisch nebenbei auch noch gut für den Klimaschutz. Schirmherr des Architekturpreises war der deutsche Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Sigmar Gabriel: „Der Passivhaus-Standard ist weltweit ein Maßstab für energieeffizientes Bauen und Sanieren. Ich freue mich besonders, dass er mittlerweile über einzelne Gebäude hinausgehend auf Gebäude-Ensembles, ja sogar Stadtteile Ausstrahlung hat.“

In der Kategorie „Mehrfamilienhäuser“ wurde ein Nullemissionshaus in Berlin von Deimel Oelschläger Architekten Partnerschaft ausgezeichnet. Die Jury des Awards würdigte nicht nur die energetischen Eigenschaften des Gebäudes, sondern auch die abwechslungsreiche Fassade sowie die sorgfältig ausgearbeiteten Details an den Balkonen und Verschattungen.
  Als bestes „Sanierungsprojekt“ wurde das New Yorker „Tighthouse“ von Fabrica718 / Studio Cicetti ausgewählt. In dem 114 Jahre alten Reihenhaus im Stadtteil Brooklyn sei in vorbildlicher Weise unter Beibehaltung des ursprünglichen Charakters moderner Wohnraum geschaffen worden.
Für eine „Weiterbildungseinrichtung“ im südkoreanischen Goesan wurde die deutsche ArchitekturWerkstatt Vallentin von der Jury ausgewählt. Hier wurde hervorgehoben, dass sich das inmitten von Wäldern und Bergen gelegene Gebäude nicht nur in die umgebende Landschaft einfüge, sondern dazu beitrage, diese noch aufzuwerten.

Bahnstadt ist die Vorbildregion
In der Kategorie „Regionen“ ging der Award unangefochten an das Umweltamt in Heidelberg, das mit einer weitsichtigen Energieplanung für den neuen 116 Hektar großen Passivhaus-Stadtteil Bahnstadt gezeigt hat, wie das Passivhaus auch für umfassende Bauvorhaben zum Standard werden kann. Als jüngster Stadtteil Heidelbergs wird die Bahnstadt angefangen von den Wohn-, Büro- und Laborgebäuden über Schulen und Kindertagesstätten bis hin zum Baumarkt komplett im Passivhaus-Standard gebaut.

„Die Auszeichnung der Bahnstadt als Passivhaus-Region des Jahres erfüllt uns mit großer Freude“, sagte Ober-bürgermeister Dr. Eckart Würzner anlässlich der Preisverleihung. „Der Award beweist eindrucksvoll, wie groß die Strahlkraft des Leuchtturm-projekts Bahnstadt ist. Vertreter aus Stadtentwicklung, Politik und Medien kommen aus ganz Europa, Asien und Amerika nach Heidelberg, um sich ein Bild von der weltgrößten Passivhaus-Siedlung zu machen. Unser jüngster Stadtteil zeigt, was möglich ist, wenn man technische Möglichkeiten intelligent anwendet.“

„Die anhaltend starke Nachfrage zeigt, dass das Konzept der Bahnstadt mit verpflichtendem Passivhaus-Standard aufgeht“, so Jens-Uwe Götsch, Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Heidelberg. Die Bahnstadt sei richtungweisend, wie künftig auch für umfassende Bauvorhaben und ganze Städte das Passivhaus zum Standard werden könnte, hieß es in dem Urteil der Jury. Zugleich werde deutlich, wie eine weitsichtige Planung der lokalen Behörden zu einem hohen Maß an Energieeffizienz und damit zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen könne.

 

Gewinner in der Kategorie „Sonderbauten / Bürogebäude“ ist das Kunstmuseum in Ravensburg von Lederer Ragnarsdóttir Oei Architekten. Bemerkenswert sei hier etwa die Einbindung in das historische Stadtensemble durch die Ziegelfassade, erklärte die Jury.
In der Kategorie „Einfamilienhaus“ wurden gleich zwei erste Plätze vergeben. Zum einen an ein Projekt von Plumbob Architects in Philadelphia, das in einem dicht besiedelten Stadtteil mit einer praktischen Raumanordnung überzeugte. Zum anderen an ein von Kimmo Lylykangas Architekts entworfenes Ensemble im finnischen Espoo, bei dem kompakte Hauskerne von intelligent gestalteten Hüllen umgeben werden.

 

Auch Österreichs Passivhäuser schnitten hervorragend ab
Aus mehr als 100 Einreichungen hatten es auch zwei Objekte aus Österreich auf die "Shortlist" mit nur noch 21 Objekten geschafft. Zum Einen das Justizzentrum Korneuburg von der ARGE Mathoi Architekten & DIN A4 Architektur, das erste öffentliche Passivhaus der Bundesimmobilien Gesellschaft BIG.

Zum Zweiten das Passiv-Bürohaus RHW.2 der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien am Wiener Donaukanal von der ARGE Atelier Hayde Architekten und Architektur Maurer & Partner. Mit 78 Metern Höhe ist dieses Objekt auch weltweit das erste Hochhaus in Passivhaus-Standard und beherbergt 900 Mitarbeiter.

Der Passive House Award 2014 wurde vom Passivhaus Institut im Rahmen des europäischen Projekts PassREg (Passive House Regions with Renewable Energies) verliehen. Voraussetzung für die Teilnahme war eine Zertifizierung, mit der das Einhalten der Kriterien des Passivhaus-Standards nachgewiesen wurde (EnerPHit-Standard bei Sanierungen). Die Jury konnte sich bei der Bewertung somit allein auf die architektonische Qualität der Projekte konzentrieren. Die Gewinner in den Kategorien für Einzelgebäude erhalten ein Preisgeld von jeweils 5.000 Euro. Insgesamt wurden mehr als hundert Projekte für den Award eingereicht. Die 21 Finalisten, einschließlich der sieben Preisträger, sind unter www.passivehouse-award.org vorgestellt. 

Eine Auswahl an Fotos finden Sie unter: www.flickr.com/photos/passive-house-institute